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dem Jrrthum zuschreiben; die unschuldigsten Thatsachen hat hier gewiß mirder Zufall entstellt. Es hat nämlich ganz seine Richtigkeit mit jener Angabevan Zeit und Ort, ich war in der That an dem genannten Tage in der ge-nannten Kirche, die sogar einst eine Jesuitcnkirche gewesen, nämlich in Saint-Sulpice, und ich habe mich dort einem religiösen Acte unterzogen — Aberdieser Act war keine gehässige Abjuration, sondern eine sehr unschuldige Con-jugation; ich ließ nämlich dort meine Ehe mit meiner Gattin, nach der Ci-viltrauung, auch kirchlich einsegne», weil meine Gattin, von erzkatholischcrFamilie, ohne solche Ceremonie sich nicht gottgefällig genug vcrhcirathct gc-. glaubt hätte. Und ich wollte um keinen Preis bei diesem theurcn Wesen inden Anschauungen der angebornen Religion eine Beunruhigung oder Stör-niß verursachen.
Es ist übrigens sehr gut, wenn die Frauen einer positiven Religion anhän-gen. Ob bei den Frauen evangelischer Konfession mehr Treue zu finden,lasse ich dahingestellt sein. Jedenfalls ist der Katholicismus der Frauen fürden Gemahl sehr heilsam. Wenn sie einen Fehler begangen haben, behaltensie nicht lange den Kummer darüber im Herzen, und sobald sie vom PriesterAbsolution erhielten, sind sie wieder trällernd und aufgeheitert und verderbensie ihrem Manne nicht die gute Laune oder Suppe durch kopfhängerischesNachgrübeln über eine Sünde, die sie sich verpflichtet halten, bis an ihr Le-bensende durch grämliche Prüderie und zänkische Uebertugend abzubüßen.Auch noch in andrer Beziehung ist die Beichte hier so mißlich: die Sünderinbehält ihr furchtbares Gcheimniß nicht lange lastend im Kopfe, und da dochdie Weiber am Ende alles ausplaudern müssen, ist es besser, sie gestehen ge-wisse Dinge nur ihrem Beichtiger, als daß sie in die Gefahr gerathen, plößlichin überwallender Zärtlichkeit oder Schwaßsucht oder Gewisscnsbissigkcit demarmen Gatten die fatalen Geständnisse zu machen!
Der Unglauben ist in der Ehe jedenfalls gefährlich, und so srcigcistisch ichselbst gewesen, so durste doch in meinem Hause nie ein frivoles Wort ge-sprochen werden. Wie ein ehrsamer Spießbürger lebte ich mitten in Paris,und deshalb, als ich heirathete, wollte ich auch kirchlich getraut werden, obgleichhierzu Lande die gcseßlich eingeführte Civil.Ehe hinlänglich von der Gesell-schaft anerkannt ist. Meine liberalen Freunde grollten mir deshalb, undüberschütteten mich mit Vorwürfen, als hätte ich der Clcrisci eine zu großeConcession gemacht. Ihr Murrsinn über meine Schwäche würde sich nochsehr gesteigert haben, hätten sie gewußt, wie viel größere Conccssionen ich da-mals der ihnen verhaßten Priesterschaft machte. Als Protestant, der sich miteiner Katholikin vcrhcirathete, bedurfte ich, um von einem katholischen Priesterkirchlich getraut zu werden, eine besondere Dispens des Erzbischofs, der dieseaber in solchen Fällen nur unter der Bedingung erthcilt, daß der Gatte sich