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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Europa und Amerika, namentlich in den scandinavischcn nnd anglosächsischcn,überhaupt in germanischen und einigermaßen auch in keltischen Landen, batsich das Palästinathum so geltend gemacht, daß man sich dort unter Indenversetzt zu sehen glaubt. Z. B. die protestantischen Schotten, sind sie nichtHebräer, deren Namen überall biblisch, deren Cant sogar etwas jerusalemitiseli-pharisäisch klingt, und deren Religion nur ein Judcnthum ist, welchesSchweinefleisch frißt? So ist es auch mit manchen Provinzen Norddeutsch-lands und mit Dänemark; ich will gar nicht reden von den meisten neuenGemeinden der vereinigten Staaten, wo man das alttestamcntarischc Lebenpedantisch nachäfft. Lchtcrrs erscheint hier wie dagucrrcotppirt, die Conturcnsind ängstlich richtig, doch alles ist grau in grau, und es fehlt der sonnigeFarbcnschmclz des gelobten Landes. Aber die Caricatnr wird einst schwinden,das Echte, Unvergängliche und Wahre, ncmlich die Sittlichkeit des altenJudcnthnms, wird in jenen Ländern ebenso gotterfreulich blühen, wie einstam Jordan und auf den Höhen des Libanons. Man hat keine Palme und.Üamcclc nöthig, um gnt zu sein, und Gntscin ist besser denn Schönheit.

Vielleicht liegt es nicht blos in der Bildungsfähigkeit der erwähnten Völker,daß sie das jüdische Leben in Sitte und Denkweise so leicht in sich anfgcnom-mcn. Der Grund dieses Phänomens ist vielleicht auch in dem Charakter desjüdischen Volks zu suchen, das immer sehr große Wahlverwandtschaft mitdem Charakter der germanischen und einigermaßen auch der keltischen Raechatte. Judäa erschien mir immer wie ein Stück Occident, das sich mitten inden Orient verloren. In der That, mit seinem spiritnalistischen Glauben,seinen strengen, keuschen, sogar ascetischcn Sitten, kurz mit seiner abstraktenInnerlichkeit, bildete dieses Land und sei» Volk immer den sonderbarstenGegensah zu den Nachbar-Ländern und Nachbar-Völkern, die den üppigbuntesten und brünstigsten Naturcnlten huldigend, im bacchantischen Sinnen-jnbel ihr Dasein verluderten. Israel saß fromm unter seinem Feigenbaumund sang das Lob des unsichtbaren Gottes und übte Tugend und Gerechtigkeit,während in den Tempeln von Babel, Ninivc, Sidon und Tyrus jene blu-tigen und unzüchtigen Orgien gefeiert wurden, ob deren Beschreibung uns»och seht das Haar sich sträubt! Bedenkt man diese Umgebung, so kann mandie frühe Größe Israels nicht genug bewundern. Von der FreiheitsliebeIsraels, während nicht blos in seiner Umgebung, sondern bei allen Völker»des Altcrthnms, sogar bei den philosophischen Griechen, die Sklaverei justisi-cirt war und in Blüthc stand, will ich gar nicht reden, um die Bibel nicht zueompromittiren bei den jetzigen Gewalthabern. Es gicbt wahrhaftig keinenSocialisten, der terroristischer wäre als unser Herr und Heiland, und bereitsMoses war ein solcher Socialist, obgleich er, als ein praktischer Mann, be-stehende Gebräuche, namentlich in Bezug auf das Eigcnthnm, nur umzumo-

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