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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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cntspricht jetzt die lutherische Glanbcns-Uniform einigermaßen meineminnersten Gedanken? In wie weit ist das officielle Bekenntniß zur Wahrheitgeworden? Solcher Frage will ich durch keine dircctc Beantwortung begegnen,sie soll mir nur eine Gelegenheit bieten, die Verdienste zu beleuchten, die sich derProtestantismus, nach meiner jetzigen Einsicht, um das Heil der Welt erwor-ben ; und man mag danach ermessen, inwiefern ihm eine größere Sympathievon meiner Seite gewonnen ward.

Früher!)!», wo die Philosphic ein überwiegendes Interesse für mich hatte,wußte ich den Protestantismus nnr wegen der Verdienste zu schätzen, die ersich durch die Eroberung der Denkfrcihcit erworben, die doch der Boden ist, aufwelchem sich später Leibnitz, Kant und Hegel bewegen konnten Luther, dergewaltige Mann mit der Axt, mußte diesen Kriegern vorangehen und ihnenden Weg bahnen. In dieser Beziehung habe ich auch die Reformation alsden Anfang der deutschen Philosophie gewürdigt und meine kampflustige Par-teinahme für den Protestantismus justisicirt. Jetzt, in meinen später» undreifer» Tagen, wo das religiöse Gefühl wieder überwältigend in mir aufwogt,und der gescheiterte Metaphysik» sich an die Bibel festklammert! jetzt würdigeich den Protestantismus ganz absonderlich ob der Verdienste, die er sich durch dieAuffindung und Verbreitung des heiligen Buches erworben. Ich sage dieAuffindung, denn die Juden, die dasselbe aus dem großen Brande des zweitenTempels gerettet, und es im Exile gleichsam wie ein portatives Vaterland mitsich herumschleppten, das ganze Mittelalter hindurch, sie hielten diesen Schatzsorgsam verborgen in ihrem Ghetto, wo die deutschen Gelehrten, Vorgängerund Beginn» der Reformation, hinschlichen um Hebräisch zn lernen, um denSchlüssel zu der Truhe zn gewinnen, welche den Schatz barg. Ein solcherGelehrter war der fürtrcffliche Reuchlinns, und die Feinde desselben, die Hoch-straatcn n. Comp, in Cöl», die man als blödsinnige Dunkelmänner darstellte,waren keineswegs so ganz dumme Tröpfe, sondern sie waren fernfichtige In-quisitoren, welche daS Unheil, das die Bckanntscbaft mit der heiligen Sckwiftfür die Kirche herbeiführen würde, wohl voraussahen! daher ihr Vcrfolgungs-cifcr gegen alle hebräische Schriften, die sie ohne Ausnahme zu verbrennen Ne-then, während sie die Dollmctschcr dieser heiligen Schriften, die Inden, durchden verhetzten Pöbel auszurotten suchten. Jetzt, wo die Motive jener Vor-gänge aufgedeckt liegen, sieht man, wie jeder im Grunde Recht hatte. DieKölner Dunkelmänner glaubten das Seelenheil der Welt bedroht, und alleMittel, sowohl Lüge als Mord, dünkte» ihnen erlaubt, zumal in Betreff derJuden. Das arme niedere Volk, die Kinder des Erb-Elcnds, haßte die Judenschon wegen ihrer aufgehäuften Schätze, und was heutzutage der Haß der Pro-letarier gegen die Reichen überhaupt genannt wird, hieß ehemals Haß gegendie Juden. In der Thal, da diese letzter», ausgeschlossen von jedem Grund-