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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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gangen sei. Diese große Figur hat mir nicht wenig imponirt. Welche Rie-sengestalt ! Ich kann mir nicht vorstellen, daß Ok, König von Basan, größergewesen sei. Wie klein erscheint der Sinai, wenn der Moses daraus steht!Dieser Berg ist nur das Postament, woraus die Fuße deö Mannes stehen,dessen Haupt in den Himmel hineinragt, wo er mit Gott spricht Gott vcr-zci mir die Sünde, manchmal wollte es mich bedünkcn, als sei dieser mosaischeGott nur der zurückgestrahlte Lichtglanz des Moses selbst, dem er so ahnlichsieht, ähnlich in Zorn und Liebe Es wäre eine Sünde, es wäre Anthro-pomorphiöinus, wenn man eine solche Identität des Gottes und seines Pro-pheten annähme aber die Aehnlichkeit ist frappant.

Ich hatte Moses früher nicht sonderlich geliebt, wahrscheinlich weil derhellenische Geist in mir vorwaltend war, und ich dem Gesetzgeber der Judenseinen Haß gegen alle Bildlichkeit, gegen die Plastik, nicht verzieh. Ich sahnicht, daß Moses, trotz seiner Befcindung der Kunst, dennoch selber ein großerKünstler war und den wahren Künstlergcist besaß. Nur war dieser Kllnstler-gcist bei ihm, wie bei seinen ägyptischen Landsleutcn, nur aus das kolossaleund Unverwüstliche gerichtet. Aber nicht wie die Acgyptcr formirtc er scineKunstwerke ans Backstein und Granit, sondern er baute Mcnschcnpyramiden,er meißelte Mnischcit -Ol'eliskcil, er nahm einen armen Hirtcnstamm und schufdaraus ein Volk, das ebenfalls den Jahrhunderten trotzen sollte, ein großes,ewiges, heiliges Volk, ein Volk Gottes, das allen andern Völkern als Muster,ja der ganzen Menschheit als Prototyp dienen konnte! er schuf Israel! Mitgrößerm Rechte als der römische Dichter darf jener Künstler, der Sohn Am-ram's und der Hebamme Jochcbct, sich rühmen, ein Monument errichtet zuhaben, das alle Bildungen aus Erz überdauern wird!

Wie über den Werkmeister, Hab' ich auch über das Werk, die Juden, niemit hinlänglicher Ehrfurcht gesprochen, und zwar gewiß wieder meines helle-nischen Naturells wegen, dem der jndäische AscctiSmns zuwider war. MeineVorliebe für Hellas hat seitdem abgenommen. Ich setze jetzt, die Griechenwaren n»r schöne Jünglinge, die Juden aber waren immer Männer, gewal-tige, unbeugsame Männer, nicht blos ehemals, sondern bis auf den heutigenTag, trotz achtzehn Jahrhunderten der Verfolgung und des Elends. Ich habesie seitdem besser würdigen gelernt, und wenn nicht jeder Gebnrtsstolz bei demKämpen der Revolution und ihrer demokratischen Principicn ein närrischerWiderspruch wäre, so könnte der Schreiber dieser Blätter stolz daraus sein,daß seine Ahnen dem edlen Hanse Israel angehörten, daß er ein Abkömmlingjener Märtyrer, die der Welt einen Gott und eine Moral gegeben, und aufallen Schlachtfeldern des Gedankens gekämpft und gelitten haben.

Die Geschichte des Mittelalters und selbst der modernen Zeit hat selten inihre Tagesberichte die Namen solcher Ritter des heiligen Geistes eingezeichnet.