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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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meine Gefühle, die er vielmehr bis zum Heroismus steigerte; und ich machtedamals einen solchen Aufwand von Großmut!) und Selbstaufopferung, daßich dadurch die brillantesten Hochthatcn jener guten Spießbürger der Tugend,die nur aus Pflichtgefühl handelten und nur den Gesehen der Moral gehorch-ten, gewiß außerordentlich verdunkelte. War ich doch selber jetzt das lebendeGcsch der Moral und der Quell alles Rechtes und aller Bcfugniß. Ichwar die Ursittlichkcit, ich war unsündbar, ich war die incarnirte Reinheit; dieanrüchigsten Magdalencn wurden purificirt durch die läuternde und sühnendeMacht meiner LiebcSflammcn, und fleckenlos wie Lilien und crrlthcnd wiekeusche Rosen, mit einer ganz neuen Jungfräulichkeit, gingen sie hervor ausden Umarmungen des Gottes. Tiefe Restaurationen beschädigter Magd--thllmcr, ich gestehe es, erschöpften zuweilen meine Kräfte. Aber ich gab ohnezu feilschen, und unerschöpflich war der Born meiner Barmherzigkeit. Ichwar ganz Liebe und war ganz frei von Haß. Ich rächte mich auch nicht mehran meinen Feinden, da ich im Grunde keinen Feind mehr hatte oder vielmehrniemand als solchen anerkannte: für mich gab es jetzt nur noch Ungläubige,die an meiner Göttlichkeit zweifelten Jede Unbill, die sie mir anthatcn, warein Sacrileginm, und ihre Schmähungen waren Blasphemien. SolcheGottlosigkeiten konnte ich freilich nicht immer ungeahndet lassen, aber alsdannwar nicht eine menschliche Rache, sondern die Strafe Gottes, die denSünder traf. Bei dieser höher» Gerechtigkcitspflcgc unterdrückte ich zuweilenmit mehr oder weniger Mühe alles gemeine Mitleid. Wie ich keine Feindebesaß, so gab es für mich auch keine Freunde, sondern nur Gläubige, die anmeine Herrlichkeit glaubten, die mich anbeteten, auch meine Werke lobten,sowohl die vcrsificirtcn, wie die, welche ich in Prosa geschaffen, und dieserGemeinde von wahrhaft Frommen und Andächtigen that ich sehr viel Gutes,zumal den jungen Tcvotinnc».

Aber die Ncpräsrntationskostcn eines Gottes, der sich nicht lumpen lassenwill und weder Leib noch Börse schont, sind ungeheuer; um eine solche Rollemit Anstand zu spielen, sind besonders zwei Dinge unentbehrlich: viel Geldund viel Gesundheit. Leider geschah es, daß eines TagcS im Februar1848 diese beiden Regnisitcn mir abhanden kamen, und meine Göttlichkeitgerietst dadurch sehr in Stocken. Zum Glück war das verehrnngswürdigePublicum in jener Zeit mit so großen, unerhörten, fabelhaften Schauspielenbeschäftigt, daß dasselbe die Veränderung, die damals mit meiner kleinen Per-son vorging, nicht besonders bemerken mochte. Ja, sie waren unerhört undfabelhaft, die Ereignisse in jenen tolle» Fcbruartagen, wo die Weisheit derKlügsten zu Schanden gemacht und die AnScrwähltcn des Blödsinns auf'sSchild gehoben wurden. Tie Lebten wurden die Ersten, das Unterste kamzu obcrst, sowohl die Tinge wie die Gedanken waren umgestürzt, es war wiik-