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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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von den Stemm, und nannte sie den Aufenthalt der Seligen. Der Meisteraber brümmcltc vor sich hin:Die Sterne, hum! hum! die Sterne sind nurein leuchtender Aussat) am Himmel." Um GotteSwillcn rief ich cS gicbtalso droben kein glückliches Local, um dort die Tugend nach dem Tode zubelohnen? Jener aber, indem er mich mit seinen bleichen Augen stier ansah,sagte schneidend:Sie wollen also noch ein Trinkgeld dafür haben, daß SieIhre kranke Mutter gepflegt und Ihren Herrn Bruder nicht vergiftet ha-ben?"Bei diesen Worten sah er sich ängstlich um, doch er schien gleichwieder beruhigt, als er bemerkte, daß nur Heinrich Beer herangetreten war,um ihn zu einer Partie Whist einzuladen.

Wie schwer das Verständniß der Hcgcl'schcn Schriften ist, wie leicht mansich hier täuschen kann, und zu verstehen glaubt, während man nur dialektischeFormeln nachzuconstruiren gelernt, das merkte ich erst viele Jahre später hierin Paris, als ich mich damit beschäftigte, aus dem abstracten Schul-Jdiomjene Formeln in die Muttersprache des gesunden Verstandes und der allge-meinen Verständlichkeit, in's Französische, zu übersehen. Hier muß derDotlmetsch bestimmt wissen, was er zu sagen hat, und der verschämteste Begriffist gezwungen, die mystischen Gewänder fallen zu lassen und sich in seinerNacktheit zu zeigen. Ich hatte nämlich den Vorsat) gefaßt, eine allgemeinverständliche Darstellung der ganzen Hegel'schcn Philosophie zu verfassen, umsie einer neuem Ausgabe meines Buches cke l'rUIemaxne als Ergänzungdesselben einzuverleiben. Ich beschäftigte mich während zwei Jahren mit dieserArbeit, und es gelang mir nur mit Roth und Anstrengung, den sprödenStoff zu bewältigen und die abstraktesten Partien so populair als möglichvorzutragen. Doch als das Werk endlich fertig war, erfaßte mich bei seinemAnblick ein unheimliches Grauen, und es kam mir vor, als ob das Manu-skript mich mit fremden, ironischen, ja boshaften Augen ansähe. Ich warin eine sonderbare Verlegenheit gerathen; Autor und Schrift paßten nichtmehr zusammen. Es hatte sich nämlich um jene Zeit der obenerwähnteWiderwille gegen den Atheismus schon meines Gcmüthcs bcmcistert, und daich mir gestehen mußte, daß allen diesen Gottlosigkeiten die Hcgel'sche Philo-sophie den furchtbarsten Vorschub geleistet, ward sie mir äußerst unbehaglichund fatal. Ich empfand überhaupt nie eine allzugroßc Begeisterung für diesePhilosophie, und von Ueberzeugung konnte in Bezug auf dieselbe gar nicht dieRede sein. Ich war nie abstrakter Denker, und ich nahm die Synthese derHegel'schcn Doctrin ungeprüft an, da ihre Folgerungen meiner Eitelkeitschmeichelten. Ich war jung und stolz, und es that meinem Hochmuth wohl,als ich von Hegel erfuhr, daß nicht, wie meine Großmutter meinte, der liebeGott, der im Himmel residirt, sondern ich selbst hier auf Erden der liebe Gottsei. Dieser thörichte Stolz übte keineswegs einen verderblichen Einfluß aus