scqucnz ihrer Doctrin; denn in dem Wahnsinn, der sie antreibt, ist, wiePolonius sagen würde, Methode.
Das Verdienst, jene grauenhaften Erscheinungen, welche erst später ein-trafen, in meinem Buche äs U^Uomogns lange vorausgesagt zu haben, istnicht von großem Belange. Ich konnte leicht prophezeien, welche Lieder einstin Deutschland gepfiffen und gezwitschert werden dürften, denn ich sah dieVögel ausbrüten, welche später die neuen Sangcswcisen anstimmten. Ichsah, wie Hegel mit seinem fast komisch ernsthaften Gesichte als Bruthenne aufden fatalen Eiern saß, und ich hörte sein Gackern. Ehrlich gesagt, seltenverstand ich ihn, und erst durch späteres Nachdenken gelangte ich zum Ver-ständniß seiner Worte. Ich glaube, er wollte gar nicht verstanden sein, unddaher sein verclausulirtcr Vortrag, daher vielleicht auch seine Vorliebe fürPersonen, von denen er wußte, daß sie ihn nicht verständen, und denen er umso bereitwilliger die Ehre seines nähern Umgangs gönnte. So wunderte sichjeder in Berlin über den intimen Verkehr des tiessinnigen Hegel mit dem ver-storbenen Heinrich Beer, einem Bruder des durch seinen Ruhm allgemeinbekannten und von den geistreichsten Journalisten gefeierten Giacomo Meyer-becr. Jener Beer, nämlich der Heinrich, war ein schier unkluger Gesell, derauch wirklich späterhin von seiner Familie für blödsinnig erklärt und unterCuratcl gesetzt wurde, weil er anstatt sich durch sein großes Vermögen einenNamen zu machen in der Kunst oder Wissenschaft, vielmehr für läppischeSchnurrpfcifcrcicn seinen Rcichthum vergeudete und z. B. eines Tags fürsechstausend Thalcr Spazicrstöckc gekauft hatte. Dieser arme Mensch, derweder für einen großen Tragödiendichtcr, noch für einen großen Sterngucker,oder für ein lorbccrbckränztes musikalisches Genie, einen Nebenbuhler vonMozart und Rossini, gelten wollte und lieber sein Geld für Spazicrstöckcausgab — dieser aus der Art geschlagene Beer genoß den vertrautesten Um-gang Hcgcl'S, er war der Intimus des Philosophen, sein Pyladcs, und be-gleitete ihn überall wie sein Schatten. Der eben so witzige wie talcntbcgabtcFelix Mendelssohn suchte einst dieses Phänomen zu erklären, indem er behaup-tete: Hegel verstände den Heinrich Beer nicht. Ich glaube aber jetzt, derwirkliche Grund jenes intimen Umgangs bestand darin, daß Hegel überzeugtwar, Heinrich Beer verstände nichts von allem was er ihn reden höre, und erkonnte daher in seiner Gegenwart sich ungcnirt allen GcistcScrgicßungcn desMoments überlassen. Ucbcrhaupt war das Gespräch von Hegel immer eineArt von Monolog, stoßwcis hervorgescufzt mit klangloser Stimme; dasBarocke der Ausdrücke frappirte mich oft, und von letzter» blieben mir viele imGcdächtniß. Eines schönen hellgcstirntcn Abends standen wir beide nebeneinander am Fenster, und ich, ein zwcinndzwanzigjährigcr junger Mensch, ichhatte eben gut gegessen und Kaffee getrunken, und ich sprach mit Schwärmerei