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sehr bedeutende französische Denker mir naiv gestanden, sie hätten immer ge-glaubt, die deutsche Philosophie sei ein gewisser mystischer Nebel, worin sichdie Gottheit wie in einer heiligen Wolkcnburg verborgen halte, und die deut-schen Philosophen seien ekstatische Scher, die nur Frömmigkeit und Gottes-furcht athmetcn. Es ist nicht meine Schuld, daß dieses niemals der Fallgewesen, daß die deutsche Philosophie just daS Gegentheil ist von dem, waswir bisher Frömmigkeit und Gottesfurcht nannten, und daß unsre modernstenPhilosophen den vollständigsten Atheismus als das letzte Wort »nsrcr deut-schen Philosophie proclamirtcn. Sie rissen schonungslos und mit bacchanti-scher Lebenslust den blauen Vorhang vom deutschen Himmel, und riefen:sehet, alle Gottheiten sind entflohen, und dort oben sitzt nur noch eine alteJungfer mit bleiernen Händen und traurigem Herzen: die Nothwcndigkeit.
Ach! was damals so befremdlich klang, wird jetzt jenseits des Rheins aufallen Dächern gepredigt, und der fanatische Eifer mancher dieser Prädikantcnist entsetzlich! Wir haben jetzt fanatische Mönche des Atheismus, Großin-quisitoren des Unglaubens, die den Herrn von Voltaire verbrennen lassenwurden, weil er doch im Herzen ein verstockter Deist gewesen. So hrngc solcheDoctrincn noch Gchcimgut einer Aristokratie von Geistreichen blieben und ineiner vornehmen Cotcric-Sprache besprochen wurden, welche den Bedienten,die aufwartend hinter uns standen, während wir bei unfern philosophischenPctits-Soupcrs blasphemirtcn, unverständlich war — so lange gehörte auchich zu den leichtsinnigen Esprits - Forts, wovon die meisten jenen liberalenGrands-ScigneurS glichen, die kurz vor der Revolution mit den neuen Um-sturz-Ideen die Langeweile ihres müßigen Hoflcbcns zu verscheuchen suchten.Als ich aber merkte, daß die rohe Plebs, der Jan Hagel, ebenfalls dieselbenThemata zu discutircu begann in seinen schmutzigen Symposien, wo statt derWachskerzen und Girandolen nur Talglichtcr und Thranlampcn leuchteten,als ich sah, daß Schmierlappcn von Schuster- und Schneidcrgcsellcn in ihrerplumpen Herbergsprache die Existenz Gottes zu läugnen sich unterfingen —als der Atheismus anfing, sehr stark nach Käse, Branntwein und Tabak zustinken: da gingen mir plötzlich die Augen aus, und was ich nicht durch mei-nen Verstand begriffen hatte, das begriff ich jetzt durch den Geruchssinn, durchdas Mißbehagen des Ekels, und mit meinem Atheismus hatte es, gottlob!ein Ende.
Um die Wahrheit zu sagen, es mochte nicht blos der Ekel sein, was mir dieGrundsätze der Gottlosen verleidete und meinen Nucktritt veranlasste. Es warhier auch eine gewisse weltliche Besorgniß im Spiel, die ich nicht überwindenkonnte; ich sah nämlich, daß der Atheismus ein mehr oder »linder geheimesBündniß geschlossen mit dem schauderhaft nacktesten, ganz fcigenblattloscn,