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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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hatte sie entweder Sauerkraut gegessen, oder sie konnte Klopstock im Originallesen. Ich fand alles so amüsant, und der Himmel war so dlau und die Lustso liebenswürdig, so generös, und dabei flimmerten noch hie und da die Lichterder Julisonnc; dicWangcn der schöncnLutctia waren noch roth von den Flam-menküfscn dieser Sonne, und an ihrer Brust war noch nicht ganz verwelkt derbräutliche Blumenstrauß. An den Straßenecken waren freilich hie und da dieliborts, SA!lI!t6, kratoriiltS schon wieder abgewischt. Ich besuchte sogleich dieRestaurants, denen ich empfohlen war; diese Spcisewirthc versicherten mir, daßsie mich auch ohne Empfehlungsschreiben gut aufgenommen hätten, da ich einso honnettcS und distinguirtes Aeußcrc besäße, das sich von selbst empfehle.Nie hat mir ein deutscher Garkoch dergleichen gesagt, wenn er auch eben sodachte; so ein Flegel meint, er müsse uns das Angenehme verschweigen, undseine deutsche Offenheit verpflichte ihn, nur widerwärtige Dinge uns in's Ge-sicht zu sagen. In den Sitten und sogar in der Sprache der Franzosen ist soviel köstliche Schmeichelei, die so wenig kostet, und doch so wohlthätig und er-quickend. Meine Seele, die arme Sensitive, welche die Scheu vor vaterlän-discher Grobheit so sehr zusammengezogen hatte, erschloß sich wieder jenenschmeichlerischen Lauten der französischen Urbanität. Gott hat uns die Zungegegeben, damit wir unfern Mitmenschen etwas Angenehmes sagen.

Mit dem Französischen haperte es etwas bei meiner Ankunft; aber nach einerhalbstündigen Unterredung mit einer kleinen Blumenhändlerin im Passage del'Opcra ward mein Französisch, das seit der Schlacht bei Waterloo eingerostetwar, wieder flüssig, ich stotterte mich wieder hinein in die galantesten Conju-gationen und erklärte der Kleinen sehr verständlich das Linnöische System, woman die Blumen nach ihren Staubfäden cintheilt; die Kleine folgte einer an-dern Methode und thcilte die Blumen ein in solche die gut röchen und in solchewelche stänken. Ich glaube, auch bei den Männern beobachtete sie dieselbeClassification. Sie war erstaunt, daß ich troß meiner Jugend so gelehrt sei,und posaunte meinen gelehrten Ruf im ganzen Passage de l'Opcra. Ich sogauch hier die Wohldllftc der Schmeichelei mit Wonne ein, und amüsirtc michsehr. Ich wandelte auf Blumen, und manche gebratene Taube flog mir in'soffne, gaffende Maul. Wie viel Amüsantes sah ich hier bei meiner Ankunft!Alle Notabilitätcn dcS öffentlichen ErgöhcnS und der offieicllen Lächerlichkeit.Die ernsthaften Franzosen waren die amüsantesten. Ich sah Arnal, Bouffs,Dsjazet, Dubiircau, Odry, Madcmoiselle Georges und die große Marmiteim Jnvalidcnpalaste. Ich sah die Morgnc, die ->vn,ck6iu!e li-anyaiso, wo eben-falls viele unbekannte Leichen ausgestellt, und endlich die Nekropolis des Lu-xemburg, worin alle Mumien des Meineids, mit den einbalsamirtcn falschenEiden, die sie allen Dynastien der französischen Pharaonen geschworen. Ichsah im Jardin-dcs-Plantcs die Giraffe, den Bock mit drei Beinen und die