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snppen nicht sehr lockten, nnd auch obendrein die preußischen Ketten im Wintersehr kalt sind und meiner Gesundheit nicht zuträglich sein konnten, so entschloßich mich, nach Paris zu reisen und im Vaterland des Champagners nnd derMarseillaise jenen zu trinken und diese letztere, ncdst Ln avant marcllons undI,ata)-otts aux olievsux blancs, singen zu hören.
Den l. Mai INI fuhr ich über den Rhein. Den alten Flnßgott, denVater Rhein, sah ich nicht, nnd ich begnügte mich, ihm meine Visitenkarte in'SWasser zu werfen. Er saß, wie man mir sagte, in der Tiefe nnd studirtcwieder die französische Grammatik von Meidingcr, weil er nämlich währendder preußischen Herrschaft große Rückschritte im Französischen gemacht hatte,und sich jetzt cventualitcr auf's neue einüben wollte. Ich glaubte, ihn untenconjugircn zu hören: j'aimo, tu aimos, ik aims, usus aimons — Was liebter aber? In keinem Fall die Preußen. Den Straßbnrgcr Münster sah ichnur von fern; er wackelte mit dem Kopfe, wie der alte gctrcnc Eckart, wenn ereinen jungen Fant erblickt, der nach dem Venusberge zieht.
Zu Saint-Dcnis erwachte ich aus einem süßen Morgcnschlafe, und hörtezum ersten Male den Ruf der Coucousührcr: Paris! Paris! so wie auch daSSchellcngcktingcl der Coco-Vcrkäufcr. Hier athmet man schon die Luft derHauptstadt, die am Horizonte bereits sichtbar. Ein alter Schelm von Lohn-bcdieutcr wollte mich bereden, die KönigSgräbcr zu besuchen, aber ich war nichtnach Frankreich gekommen, um todte Könige zn sehen; ich begnügte mich damit,mir von jenem Cicerone die Legende des Ortes erzählen zu lassen, wie nämlichder böse Heidcnkönig dem Heiligen Denis den Kopf abschlagen ließ, nnd diesermit dem Kops in der Hand von Paris nach Saint-TeniS lief, um sich dortbegraben nnd den Ort nach seinem Namen nennen zn lassen. Wenn mandie Entfernung bedenke, sagte mein Erzähler, müsse man über das Wunderstaune», daß jemand so weit zu Fuß ohne Kopf gehen konnte — doch sehte ermit einem sonderbaren Lächeln hinzu: ckans ckss aas pnrsils, il n'x a quo lsPremier pas gui »oute. DaS war zwei Franken Werth, und ich gab sie ihm,pour I'amour ckv Voltairs. In zwanzig Minuten war ich in Paris, nndzog ein durch die Trinmphpfortc des Boulevards Saint-Dcnis, die ursprüng-lich zu Ehren Ludwig XIV. errichtet worden, jetzt aber zur Verherrlichungmeines Einzugs in Paris diente. Wahrhaft überraschte mich die Menge vongeputzten Leuten, die sehr geschmackvoll gekleidet waren wie Bilder eines Mo-dejournals. Dann imponirtc mir, daß sie alle französisch sprachen, was beiuns ein Kennzeichen der vornehme» Welt; hier ist also das ganze Volk so vor-nehm, wie bei uns der Adel. Tic Männer waren alle so höflich, und dieschönen Frauen so lächelnd. Gab mir jemand unversehens einen Stoß, ohnegleich um Verzeihung zn bitten, so konnte ich darauf wetten, daß es ein Lands-mann war; und wenn irgend eine Schöne etwas allzu säuerlich aussah, so