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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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abdieirte, und sein Fürstciithum, das von dm Preußen occupirt ward, nachs-inem Ableben dem Sohne des Königs von Holland, dein Prinzen LouisNapoleon Bonapartc cke jurs zufiel, so ist letzterer, welcher jetzt auch Kaiser derFranzosen ist, mein legitimer Souvcrain.

An einem andern Orte, in meinen Memoiren, erzähle ich weitläufiger alscS hier geschehen dürfte, wie ich nach der JuliuSrcvolution nach Paris über-siedelte, wo ich seitdem ruhig und zufrieden lebe. Was ich während derNestauration gcthan und gelitten, wird ebenfalls zu einer Zeit mitgctheiltwerden, wo die uneigennützige Absicht solcher Mitthcilungm keinem Zweifel

und keiner Verdächtigung begegnen kann. Ich hatte viel gcthan und

gelitten, und als die Sonne der Juliusrevolutio» in Frankreich aufging, warich nachgerade sehr müde geworden und bedurfte einiger Erholung. Auchward mir die hcimathliche Lust täglich ungesunder, und ich mußte ernstlich aneine Veränderung des Climas denken. Ich hatte Visionen; die Wolkenzügeängstigten mich und schnitten mir allerlei fatale Fratzen. Es kam mir manch-mal vor, als sei die Sonne eine preußische Cocarde; des Nachts träumte ichvon einem häßlichen schwarzen Geier, der mir die Leber fraß, und ich wardsehr melancholisch. Dazu hatte ich einen alten Berliner Justizrath kennengelernt, der viele Jahre auf der Festung Spandau zugebracht und mir erzählte,wie es unangenehm sei, wenn man im Winter die Eisen tragen müsse. Ichfand es in der That sehr unchristlich, daß man den Menschen die Eisen nichtein Bischen wärme. Wenn man uns die Ketten ein wenig wärmte, würdensie keinen so unangenehmen Eindruck machen, und selbst fröstelnde Naturenkönnten sie dann gut ertragen; man sollte auch die Vorsicht anwenden, dieKetten mit Essenzen von Rosen und Lorbeeren zu parfümiren, wie es hier zuLande geschieht. Ich frug meinen Justizrath, ob er zu Spandau oft Austernzu essen bekommen? Er sagte nein, Spandau sei zu weit vom Meere ent-fernt. Auch das Fleisch, sagte er, sei dort rar, und es gebe dort kein anderesGeflügel, als die Fliegen, die einem in die Suppe fiele». Zu gleicher Zeitlernte ich einen französischen ooiuuus voxageur kenne», der für eine Wein-handlung reiste und mir nicht genug zu rühmen wußte, wie lustig man jetzt inParis lebe, wie der Himmel dort voller Geigen hänge, wie man dort vonMorgens bis Abends die Marseillaise und üu avant rnarobous und I.ataz'ettoaux ebevoux blaues singe, und Freiheit, Gleichheit und Brüderschaft auallen Straßenecken geschrieben stehe; dabei lobte er auch den Champagnerseines Hauses, von dessen Adresse er mir eine große Anzahl Exemplare gab,und er versprach mir Empfehlungsbriefe für die besten Pariser Restaurants,im Fall ich die Hauptstadt zu meiner Erheiterung besuchen wollte. Da ichnun wirklich einer Aufheiterung bedurfte, und Spandau zu weit vom Meereentfernt ist, um dort Austern zu essen, und mich die Spandaucr Geflügel-