Schlages war mein armer Freund Friedrich de la Motte Fougus, welcher da-mals, der Collection der Frau von StaA angehörend, auf seiner hohen Rosi-nante in Paris einritt. Er war ein Don Quixote, vom Wirbel bis zurZehe; las man seine Werke, so bewunderte man — Cervantes.
Aber unter den französischen Paladinen der Frau von Stadl war manchergallische Don Quixote, der unscru germanischen Rittern in der Narrheit nichtnachzustehen brauchte, z. B. ihr Freund, der Vicomte Chateaubriand, derNarr mit der schwarzen Schellenkappe, der zu jener Zeit der siegenden Ro-mantik von seiner frommen Pilgerfahrt zurückkehrte. Er brachte eine unge-heuer große Flasche Wasser aus dem Jordan mit nach Paris, und seine imLaufe der Revolution wieder heidnisch gewordenen Landsleute taufte er auf'sneue mit diesen! heiligen Wasser, und die begossenen Franzosen wurden jetztwahre Christen und entsagten dem Satan und seinen Herrlichkeiten, bekamenim Reiche des Himmels Ersatz für die Eroberungen, die sie auf Erden ein-büßten, worunter z. B. die Rheiulande, und bei dieser Gelegenheit wurde ichein Preuße.
Ich weiß nicht, ob die Geschichte begründet ist, daß Frau von Staöl wäh-rend der hundert Tage dem Kaiser den Antrag machen ließ, ihm den Beistandihrer Feder zu leihen, wenn er zwei Millionen, die Frankreich ihrem Vaterschuldig geblieben sei, ihr auszahlen wolle. Der Kaiser, der mit dem Gcldeder Franzosen, die er genau kannte, immer sparsamer war, als mit ihremBlute, soll sich auf diesen Handel nicht eingelassen haben, und die Tochter derAlpen bewährte das Bolkswort: point ck'urZent, point cks Luisses, DerBeistand der talentvollen Dame hätte übrigens damals dem Kaiser weniggefruchtet, denn bald darauf ereignete sich die Schlacht bei Waterloo.
Ich habe oben erwähnt, bei welcher traurigen Gelegenheit ich ein Preußewurde. Ich war geboren im letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts zuDüsseldorf, der Hauptstadt des Herzogthums Berg, welches damals den Kur-fürsten von der Pfalz gehörte. AIS die Pfalz dem Hause Vaicrn anheimfielund der bairische Fürst Maximilian Joseph vom Kaiser zum König von Baicrnerhoben und sein Reich durch einen Theil von Tvrol und andern angrenzendenLändern vergrößert wurde, hat der König von Baicrn das Hcrzogthum Bergzu Gunsten Joachim Miirat's, Schwagers des Kaisers, abgetreten z diesemletztem ward nun, nachdem seinem Hcrzogthum noch angrenzende Provinzenhinzugefügt worden, als Großherzog von Berg gehuldigt. Aber zu jenerZeit ging das Avancement sehr schnell, und es dauerte nicht lange, so machteder Kaiser den Schwager Miirat zum König von Neapel, und derselbe ent-sagte der Souverainetät des Großhcrzogthums Berg zu Gunsten des PrinzenFraiisois, welcher ein Neffe des Kaisers und ältester Sohn des Königs Lud-wig von Holland und der schönen Königin Hortcuse war. Da derselbe nie