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überstrahlten an Weiße das Gebiß der kostbarsten Rosse Arabiens. Sichatte sehr große schöne Angcn, ein Dutzend Amoretten würden Platz gesun-den haben auf ihren Lippen, und ihr Lächeln soll sehr holdselig gewesen sein.Häßlich war sie also nicht — keine Frau ist häßlich — so diel läßt sich abermit Fug behaupten: wenn die schöne Helena von Sparta so ausgesehen hätte,so wäre der ganze trojanische Krieg nicht entstanden, die Burg des Priamnswäre nicht verbrannt worden, und Homer hätte nimmermehr besungen denZorn des Pclidcn Achilles.
Frau von Staöl hatte sich, wie oben gesagt, gegen den großen Kaiser erklärt,und machte ihm den Krieg. Aber sie beschränkte sich nicht darauf, Büchergegen ihn zu schreiben; sie suchte ihn auch durch nicht-literarische Waffen zubefehden : sie war einige Zeit die Seele aller jener aristokratischen und jesuiti-schen Jntriguen, die der Coalition gegen Napoleon vorangingen, und wie einewahre Here kauerte sie an dem brodelnden Topfe, worin alle diplomatischenGiftmischer, ihre Freunde Tallcyrand, Metternich, Pozzo-di-Borgo, Castle-rcagh u. s. w., dem großen Kaiser sein Verderben eingebrockt hatten. Mitdem Kochlöffel des Hasses rührte das Weib herum in dem fatalen Topfe,worin zugleich das Unglück der ganzen Welt gekocht wurde. Als der Kaiserunterlag, zog Frau von Staöl siegreich ein in Paris mit ihrem Buche "äsI'^Uemague" und in Begleitung von einigen hundert tausend Deutschen,die sie gleichsam als eine pompcuse Illustration ihres Büches mitbrachte.Solchermaßen illustrirt durch lebendige Figuren mußte das Werk sehr anAuthcnticität gewinnen, und man konnte sich hier durch den Augenscheinüberzeugen, daß der Autor uns Deutsche und unsre vaterländischen Tugendensehr treu geschildert hatte. Welches köstliche Titclkupfer war jener VaterBlücher, diese alte Spielrattc, dieser ordiuaire Knaster, welcher einst einenTagesbefehl ertheilt hatte, worin er sich vermaß, wenn er den Kaiser lebendigfinge, denselben aushanen zu lassen. Auch unsern A. W. v. Schlegelbrachte Frau von Staöl mit nach Paris, und das war ein Musterbild deutscherNaivctät und Hcldcnkraft. Es folgte ihr ebenfalls Zacharias Werner, diesesModell deutscher Reinlichkeit, hinter welchem die entblößten Schönen desPalais-Roval lachend cinherlicfen. Zu den interessanten Figuren, welchesich damals in ihrem deutschen Costume den Parisern vorstellten, gehörtenauch die Herren Görres, Jahn und Ernst Moritz Arndt, die drei berühmtestenFranzosenfrcsscr, eine drollige Gattung Blutbunde, denen der berühmte Pa-triot Börne in seinem Buche „Menzel, der Franzoscnfresser" diesen Namenertheilt hat. Besagter Menzel ist keineswegs, wie einige glauben, eine fingirtePersonage, sondern er hat wirklich in Stuttgart eristirt oder vielmehr ein Blattherausgegeben, worin er täglich ein halb Dutzend Franzosen abschlachtete undmit Haut und Haar auffraß; wenn er seine sechs Franzosen verzehrt hatte,
Heine. V. 8