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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Verfasserin bei jeder Zeile nach den Tuilerien schielt. Ich zweifle nicht, daßdas Buch den Kaiser weit empfindlicher verdrossen hat, als der dircctcstc An-griff, denn nichts verwundet einen Mann so sehr, wie kleine weibliche Nadel-stiche. Wir sind auf große Schwertstreiche gefaßt, und man kitzelt uns anden kitzlichstcn Stellen.

O die Weiber! Wir müssen ihnen viel verzeihen, denn sie lieben viel, undso gar Viele. Ihr Haß ist eigentlich nur eine Liebe, welche umgesattelt hat.Zuweilen suchen sie auch uns Böses zuzufügen, weil sie dadurch einem andernManne etwas LiebeS zu erweisen denken. Wenn sie schreiben, haben sie einAuge auf das Papier und das andre aus einen Mann gerichtet, und diesesgilt von allen Schriftstellerinnen, mit Ausnahme der Gräfin Hahn-Hahn,die nur ein Auge hat. Wir männlichen Schriftsteller haben ebenfalls unsrevorgefaßten Sympathien, und wir schreiben für oder gegen eine Sache, füroder gegen eine Idee, für oder gegen eine Partei; die Frauen jedoch schreibenimmer für oder gegen einen einzigen Mann, oder besser gesagt, wegen eineseinzigen Mannes. Charakteristisch ist bei ihnen ein gewisser Cancan, derKlüngel, den sie auch in die Literatur herüberbringen, und der mir weit fata-ler ist, als die roheste Verleumdungswuth der Männer. Wir Männer lügenzuweilen. Die Weiber, wie alle passive Naturen, können selten erfinden,wissen jedoch das Vorgefundene dergestalt zu entstellen, daß sie uns dadurchnoch weit sicherer schaden, als durch entschiedene Lügen. Ich glaube wahr-haftig, mein Freund Balzac hatte Recht, als er mir einst in einem sehr seuf-zenden Tone sagte! In ternmo est un etre llaugereux.

Ja, die Weiber sind gefährlich; aber ich muß doch die Bemerkung hinzu-fügen, daß die schönen nicht so gefährlich sind, als die, welche mehr geistigeals körperliche Vorzüge besitzen. Denn jene sind gewohnt, daß ihnen dieMänner den Hof machen, während die andern der Eigenliebe der Männerentgegenkommen, und durch den Köder der Schmeichelei einen größern An-hang gewinnen, als die Schönen. Ich will damit bei Leibe nicht andeuten,als ob Frau von Stadl häßlich gewesen sei; aber eine Schönheit ist ganzetwas Anderes. Sie hatte angenehme Einzelheiten, welche aber ein sehrunangenehmes Ganze bildeten; besonders unerträglich für nervöse Personen,wie es der selige Schiller gewesen, war ihre Manie, beständig einen kleinenStengel oder eine Papierdüte zwischen den Fingern wirbelnd herumzudrehendieses Manövre machte den armen Schiller schwindlicht, und er ergriff inVerzweiflung alsdann ihre schöne Hand, um sie festzuhalten, und Frau vonStadl glaubte, der gefühlvolle Dichter sei hingerissen von dem Zauber ihrerPersönlichkeit. Sie hatte in der That sehr schöne Hände, wie man mir sagt,und auch die schönsten Arme, die sie immer nackt sehen ließ; gewiß, dieVenus von Milo hätte keine so schönen Arme aufzuweisen. Ihre Zähne