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sie bei uns machte, und Schriften, die erst unlängst erschienen, z. B. die Me-moiren der Caroline Pichlcr, die Briefe der Varnhagen und der Bettina Ar-nim, auch die Zeugnisse von Eckermann, schildern ergötzlich die Noth, welcheuns die Sultanin des Gedankens bereitete, zu einer Zeit, wo der Sultan derMaterie uns schon genug Tribulationcn verursachte. Es war geistige Ein-quartierung, die zunächst auf die Gelehrten fiel. Diejenigen Literatoren,womit die vortreffliche Frau ganz besonders zufrieden war, und die ihr persön-lich durch den Schnitt ihres Gesichtes oder die Farbe ihrer Augen gefielen,konnten eine ehrenhafte Erwähnung, gleichsam das Kreuz der Legion d'hon-ucur, in ihrem Buche cks I^Ilomaxus erwarten. Dieses Buch macht aufmich immer einen so komischen wie ärgerlichen Eindruck. Hier sehe ich diepassionnirtc Frau mit all ihrer Turbulenz, ich sehe wie dieser Sturmwind inWcibSklcidern durch unser ruhiges Deutschland fegte, wie sie überall entzücktausruft: welche labende Stille weht mich hier an! Sie hatte sich in Frank-reich cchausfirt und kam nach Deutschland, um sich bei uns abzukühlen. Derkeusche Hauch unsrer Dichter that ihrem heißen, sonnigen Busen so wohl!Sie betrachtete unsre Philosophen wie verschiedene Eissortcn, und verschluckteKant als Sorbet von Vanille, Fichte als Pistache, Schelling als Arlcguin!—O wie hübsch kühl ist es in Euren Wäldern — rief sie beständig — welchererquickende Veilchengcruch! wie zwitschern die Zeisige so friedlich in ihrem deut-schen Nestchcn! Ihr seid ein gutes tugendhaftes Volk, und habt noch keinenBegriff von dem Sittcnvcrdcrbniß, das bei uns herrscht, in der Uus ein vao.
Die gute Dame sah bei uns nur was sie sehen wollte: ein nebelhaftes Gei-stcrland, wo die Menschen ohne Leiber, ganz Tugend, über Schncegcfildc wan-deln, und sich nur von Moral und Metaphysik unterhalten! Sie sah bei unSüberall nur was sie sehen wollte, und hörte nur was sie hören und wiederer-zählen wollte — und dabei hörte sie doch nur wenig, und nie das Wahre,cincstheilS weil sie immer selber sprach, und dann weil sie mit ihren barschenFragen unsere bescheidenen Gelehrten verwirrte und verblüffte, wenn sie mitihnen discurirte. — „Was ist Geist?" sagte sie zu dem blöden ProfessorBoutcrwek, indem sie ihr dickfleischiges Bein auf seine dünnen, zitternden Len-den legte. Ach, schrieb sie dann: „wie interessant ist dieser Boutcrwek! Wieder Mann die Augen niederschlägt! Das ist mir nie passirt mit meinen Her-ren zu Paris, in der Uno cku Lac!" Sie sieht überall deutschen Spiritua-lismus, sie preist unsre Ehrlichkeit, unsre Tugend, unsre Geistesbildung — siesieht nicht unsre Zuchthäuser, unsre Bordelle, unsre Cascrncn — man sollteglauben, daß jeder Deutsche den Urix Noutüxou verdiente — Und das Alles,um den Kaiser zu ncrgcln, dessen Feinde wir damals waren.
Der Haß gegen den Kaiser ist die Seele dieses Buches ">ls I'LUomaAns,"und obgleich sein Name nirgends darin genannt wird, sieht man doch, wie die