daß cr sich gute Eigenschaften und schöne Handlungen fälschlich zuschriebe, ererfindet vielmehr die abscheulichsten Dinge zu seiner eignen Verunglimpfung.Verleumdete cr sich etwa selbst, um mit desto größer», Schein von Wahrhaf-tigkeit auch Andre, z. B. meinen armen Landsmann Grimm, verleumden zukönnen? Oder macht cr unwahre Bekenntnisse, um wirkliche Vergehen dar-unter zu verbergen, da, wie männiglich bekannt ist, die Schmachgcschichten,die über uns im Umlauf sind, uns dann nur sehr schmerzhaft zu berührenpflegen, wenn sie Wahrheit enthalten, während unser Gemiith minder ver-drießlich davon verletzt wird, wenn sie nur eitel Erfindnisse sind. So bin ichüberzeugt, Jean Jacques hat das Band nicht gestohlen, das einer unschuldigangeklagten und fortgejagten Kammcrjungfcr Ehre und Dienst kostete; erhatte gewiß kein Talent zum Stehlen, er war viel zu blöde und täppisch, er,der künftige Bär der Eremitage. Er hat vielleicht eines andern Vergehenssich schuldig gemacht, aber es war kein Diebstahl. Auch hat cr seine Kindernicht in'S Findelhaus geschickt, sondern nur die Kinder von Madcmoi-selle Therese Levasscur. Schon vor dreißig Jahren machte mich einer dergrößten deutschen Psychologen auf eine Stelle der Confessioncn aufmerksam,woraus bestimmt zu deduciren war, daß Rousseau nicht der Vater jener Kin-der sein konnte; der eitle Brummbär wollte sich lieber für einen barbarischenVater ausgeben, als daß er den Verdacht ertrüge, aller Vaterschaft unfähiggewesen zu sein. Aber der Mann, der in seiner eignen Person auch diemenschliche Natur verleumdete, cr blieb ihr doch treu in Bezug auf uusreErbschwächc, die darin besteht, daß wir in den Augen der Welt immer anderserscheinen wollen, als wir wirklich sind. Sein Selbstportrait ist eine Lüge,bewundernswürdig ausgeführt, aber eine brillante Lüge. Da war der Königder Aschantis, von welchem ich jüngst in einer afrikanischen Ncisebeschreibungviel Ergötzliches las, viel ehrlicher, und das naive Wort dieses Neger-Fürsten,welches die oben angedeutete menschliche Schwäche so spaßhaft resumirt, willich hier mittheilcn. Als nämlich der Major Bowditsch in der Eigenschafteines Ministcrrcsidcntcn von dem englischen Gouverneur des Caps der gutenHoffnung an den Hof jenes mächtigsten Monarchen Südafrikas geschicktward, suchte er sich die Gunst der Höflinge und zumal der Hofdamen, die trotzihrer schwarzen Haut mitunter außerordentlich schön waren, dadurch zu erwer-ben, daß cr sie protraitirtc. Der König, welcher die frappante Aehnlichkcitbewunderte, verlangte ebenfalls konterfeit zu werden und hatte dem Malerbereits einige Sitzungen gewidmet, als dieser zu bemerken glaubte, daß derKönig, der oft aufgesprungen war, um die Fortschritte des Portraits zu beob-achten, in seinem Antlitze einige Unruhe und die grimassircnde Verlegenheiteines Mannes verricth, der einen Wunsch auf der Zunge hat, aber doch keineWorte dafür finden kann — der Maler drang jedoch so lange in Seine Ma-
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