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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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ihm die Name» fremd, die den heutigen Städten und Dörfern Griechenlandsvon den Seeleuten crtheilt wurden. Der Greis schüttelte deshalb oft weh-müthig das Haupt, und die Schiffer sahen sich verwundert an. Sie merkten,daß er alle Ocrtlichkeitcn Griechenlands ganz genau kannte, und in der Thater wußte die Buchten, die Erdzungen, die Vorsprüngc der Berge, oft sogarden geringsten Hügel und die kleinsten Fclscngruppen, so bestimmt und an-schaulich zu beschreiben, daß seine llukcnntniß der gewöhnlichsten Ortsnamendie Schiffer in das größte Erstaunen scstte. So bcfrug er sie mit besonderemInteresse, ja mit einer gewissen Aengstlichkcit, nach einem alten Tempel, der,wie er versicherte, zu seiner Zeit der schönste in ganz Griechenland gewesensei. Doch keiner der Zuhörer kannte den Namen, den er mit Zärtlichkeitaussprach, bis endlich, nachdem der Alte die Lage des Tempels wieder ganzgenau geschildert hatte, ein junger Matrose nach der Beschreibung den Orterkannte, wovon die Rede war.

Das Dorf, wo er geboren, sagte der junge Mensch, sei eben an jenem Ortegelegen, und als Knabe habe er auf dem beschriebenen Plaste lange Zeit dieSchweine seines Vaters gehütet. Auf jener Stelle, sagt er, fänden sich wirk-lich die Trümmer uralter Bauwerke, welche von untergegangener Pracht zeug-ten; nur hie und da ständen noch aufrecht einige große Marmorsäulen, ent-weder einzeln oder oben verbunden durch die Quadern eines Giebels, aus des-sen Brüchen blühende Ranken von Geißblatt und rothcn Glockenblumen, wieHaarflechten, herabfielen. Andre Säulen^ darunter manche von rosigemMarmor, lägen gebrochen auf dem Boden, und das Gras wuchere über diekostbaren Knäufe, die aus schön gcmciscltcm Blätter- und Blumcnwerk be-ständen. Auch große Marmorplattcu, viereckige Wand- oder dreieckige Dach-stllckc steckten dort halbvcrsunken in der Erde, überragt von einem ungeheuergroßen wilden Feigenbaum, der aus dem Schutte hcrvorgcwachscn. Unterdem Schatten dieses Baumes, fuhr der Bursche fort, habe er oft ganze Stun-den zugebracht, um die sonderbaren Figuren zn betrachten, die auf den großenSteinen in runder Bildhaucrarbcit konterfeit waren, und allerlei Spiele undKämpfe vorstellten, gar lieblich und lustig anzusehen, aber leider auch vielfachzerstört von der Witterung oder überwachsen von Moos und Ephcu. SeinBater, den er um die gchcimnißvollc Bedeutung jener Säulen und Bildwerkebefragte, sagte ihm einst, daß dieses die Trümmer eines alten Tempels wären,worin ehemals ein verruchter Heidengott gehaust, der nicht blos die nacktesteLiederlichkeit, sondern auch unnatürliche Laster und Blutschande getrieben; dieblinden Heiden hätte» aber dennoch, ihm zu Ehren, vor seinem Altar manch-mal hundert Ochsen auf einmal geschlachtet; der ausgehöhlte'Mnrmorblvek,worin das Blut der Opfer geflossen, sei dort noch vorhanden, und es sei ebenjener Steintrog, den er, sein Sohn, zuweilen dazu benustc, mit dem darin ge-Heine. v. ' s

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