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Alte Chroniken, welche ähnliche Sagen erzählen, verlegen den Schauplatznach Speyer am Rhein.
An der ostfricstschen Küste herrscht eine analoge Tradition, worin die alt-heidnischen Vorstellungen von der Ucberfahrt der Todten nach dem Schatten-reiche, welche allen jenen Sagen zu Grunde liegen, am deutlichsten hervortre-ten. Von einem Charon, der die Barke lenkt, ist zwar nirgend darin dieRede, wie den» überhaupt dieser alte Kauz sich nicht in der Volkssage, sondernnur im Puppenspiele crbaltcn hat; aber eine weit wichtigere mythologische Per-senninge erkennen wir in dem sogenannten Spediteur, der die Ucberfahrt derTodten besorgt, und der dem Fährmann, welcher des Charons Amt verrichtetund ein gewöhnlicher Fischer ist, das herkömmliche Fährgeld auszahlt. Troßihrer barocken Vermnmmnng werden wir den wahren Namen jener Personbald errathen, und ich will daher die Tradition selbst so getreu als möglich hiermittbeilcn:
In OstsricSland, an der Küste der Nordsee, gicbt es Buchten, die gleichsamkleine Hafen bilden und Sichle heißen. An den äußersten Vorsprüngcn der-selben steht das einsame Hans irgend eines Fischers, der hier mit seiner Fa-milie ruhig und genügsam lebt. Die Natur ist dort traurig, kein Vogel pfeift,außer den Seemöven, welche manchmal mit einem fatalen Gekreische ans denSandnestcrn der Dünen hcrvorfliegeu und Sturm verkünde». Das mono-tvnc Geplätschcr der brandenden See paßt sehr gut zu den düstern Wolken-zügen. Auch die Menschen singen hier nicht, und an dieser melancholischenKüste hört man nie die Strophe eines Volksliedes. Die Menschen hier zuLande sind ernst, ehrlich, mehr vernünftig als religiös, und stolz auf de» küh-nen Sinn und auf die Freiheit ihrer Altvordern. Solche Leute sind nichtphantastisch aufregbar, und grübeln nicht viel. Die Hauptsache für denFischer, der auf seinem einsamen Sieh! wohnt, ist der Fischsang, und dannund wann das Fährgeld der Reisenden, die nach einer der umliegenden Inselnder Nordsee übergesetzt sein wollen. Zu einer bestimmten Zeit des Jahres,heißt es, just um die Mittagsstunde, wo eben der Fischer mit seiner Familie,das Mittagsmahl verzehrend, zu Tische sitzt, tritt ein Reisender in die großeWohnstube, und bittet den Hausherrn, ihm einige Augenblicke zu vergönnen,um ein Geschäft mit ihm zu besprechen. Der Fischer, nachdem er den Gastvergeblich gebeten, vorher an der Mahlzeit Theil zu nehmen, erfüllt am Endedessen Begehr, und Beide treten bei Seite an ein Erkcrtischche». Ich willdas Aussehen des Fremden nicht lange beschreiben in müßiger Novellisten-weise; bei der Aufgabe, die ich mir gestellt, genügt ein genaues Signalement.Ich bemerke also Folgendes: Der Fremde ist ein schon bejahrtes, aber dochwohlconscrvirtcs Männchen, ein jugendlicher Greis, gehäbig aber nicht fett,die Wänglein roth wie Borstorscr Aepfcl, die Acuglcin lustig nach allen Sei-