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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
51
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Sowohl seines eigenen Seelenheils wegen, das er gefährdet glaubte, alsauch um andere Christcnmcnschen vor Verderben zu bewahren, hielt sich derFischer für verpflichtet, daS unheimliche Begcbniß dem geistlichen Gerichte an-zuzeigen, und da der Supcrior eines nahegelegenen FranciScancrklosterS alsVorsitzer cin'es solchen Gerichtes und ganz besonders als gelahrter Exorcist ingroßem Ansehen stand, beschloß er, sich unverzüglich zu ihm zu begeben. DieFriihsonnc fand daher den Fischer schon auf dem Wege nach dem Kloster, unddemüthigen Blickes stand er bald vor Seiner Hvchwiirdc», dem Superior, derin seiner Bücherei, die Kaputze weit übcr's Gesicht gezogen, in einem Lehn-sessel saß, und in dieser nachdenklichen Positur sitzen blieb, während ihm derFischer die grausenhafte Historie erzählte. Als derselbe mit dieser Relationzu Ende war, erhob der Supcrior sein Haupt, und indem die Kaputze zurück-fiel, sah der Fischer mit Bestürzung, daß Seine Hochwürden einer von dendrei Mönchen war, die jährlich über den See fuhren, und er erkannte in ihmeben denjenigen, den er diese Nacht als heidnischen Dämon auf dem Sicgeswa-gen mit dein Löwengespann gesehen: es war dasselbe marmorblassc Gesicht, die-selben regelmäßig schönenZüge, derselbe Mund mit den zärtlich gewölbten Lippen Und um diese Lippen schwebte ein wohlwollendes Lächeln, und diesem Mundeentquollen jetzt die sanftklingcndcn salbnngSrcichcn Wortes Geliebter Sohn inChristo! wir glauben herzlich gern, daß Ihr diese Nacht in der Gesellschaft desGottes Bacchus zugebracht habt, und Eure phantastische Spukgeschichte giebtdessen hinlänglich Kunde. Wir wollen bei Leibe nichts Unlicbiges von diesemGotte sagen, er ist gewiß manchmal ein Sorgenbrecher und erfreut des Men-schen Herz, aber er ist sehr gefährlich für diejenige», die nicht viel vertragenkönnen, und zu diesen scheint Ihr zu gehören. Wir rathen Euch daher hin-füro nur mit Maß des goldenen Rebensaftes zu genießen, und mit den Hirn-gcburten der Trunkenheit die geistlichen Obrigkeiten nicht mehr zu behelligen,und auch von Eurer letzten Vision zu schweigen, ganz das Manl zu halten,widrigenfalls Euch der weltliche Arm des Büttels fünfundzwanzig Peitschen-hiebe auszählen soll. Jetzt aber, geliebter Sohn in Christo, geht in die Klo-sterkirche, wo Euch der Bruder Kellermeister und der Bruder Küchenmeistereinen Imbiß vorsetzen sollen.

Hiermit gab der geistliche Herr dem Fischer seinen Segen, und als sich dieserverblüfft nach der Küche trollte und den Fratcr Küchenmeister und den FraterKellermeister erblickte, fiel er fast zu Boden vor Schrecken denn diese Bei-den waren die zwei nächtlichen Gefährten des Superiors, die zwei Mönche,die mit demselben über den See gefahren, und der Fischer erkannte den Dick-wanst und die Glatze des Einen, ebenso wie die grinsend geilen Gesichtszügenebst den Bocksohrcn des Andern. Doch hielt er reinen Mund, und erst inspätem Jahren erzählte er die Geschichte seinen Angehörigen.