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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
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nächtlichen Abgeschiedenheit eines Wäldes der schone Spuk eines solchen Bac-chuszngcs nebst dem dazu gehörigen betrunkenen Personale leiblich vor Augenträte Höchstens würdest du einen leisen lüsternen Schauer, ein ästhetischesGrüscln empfinden beim Anblick dieser bleichen Versammlung, dieser anmu»thigen Phantome, die den Sarkophagen ihrer Grabmälcr oder den Versteckenihrer Tcmpclruincn entstiegen sind, um den alten fröhlichen Gottesdienst nocheinmal zu begehen, um noch einmal mit Spiel und Reigen die SicgcSfahrtdes göttlichen Befreiers, des Heilandes der Sinncnlust, zu feiern, um nocheinmal den Freudentanz des Heidcnthmns, den Cancan der antiken Welt, zutanzen, ganz ohne hypokritische Verhüllung, ganz ohne Dazwischcnkunft derSergcnts-de-ville einer spiritualistischen Moral, ganz mit dem ungebundenenWahnsinn der alten Tage, jauchzend, tobend, jubelnd: Evoe Barchel Aberach! lieber Leser, der arme Fischer, von welchem wir berichten, war keineswegswie du in der Mythologie bewandert, er hatte gar keine archäologischen Stu-dien gemacht, und er war von Schrecken und Angst ergriffen bei dem Anblickjenes schönen Triumphators mit seinen zwei wunderlichen Acoluthcn, als sieihrer Mönchstracht entsprungen; er schauderte ob der unzüchtigen Geberdenund Sprünge der Bacchanten, der Faunen, der Satyre, die ihm durch ihreBocksfüße und Hörncr ganz besonders diabolisch erschienen, und die gesammtcSocietät hielt er für einen Congreß von Gespenstern und Dämonen, welchedurch ihre Maleficicn allen Christenmenschcn Verderben zu bereiten suche.Das Haar sträubte sich auf seinem Haupte, als er die halsbrcchcnd unmöglichePositur einer Menade sah, die mit flatterndem Haar das Haupt zurückwarfund sich nur durch den Thyrsus im Gleichgewicht erhielt. Ihm selber, demarmen Schiffer, ward es wirr im Hirn, als er hier Coribanten erblickte, diemit den kurzen Schwertern ihrem eigenen Leibe Wunden beibrachten, tobsüch-tig die Wollust suchend in dem Schmerze selbst. Die weichen, zärtlichen unddoch zugleich grausamen Töne der Musik, die er vernahm, drangen in seinGcmüth wie Flammen, lodernd, verzehrend, grauenhaft. Aber als der armeMensch jenes verrufene ägyptische Symbol erblickte, das in übertriebenerGröße und bekränzt mit Blumen von einem schamlosen Weibe auf einer hohenStange herumgetragen wurde: da verging ihm Hören und Sehen und erstürzte nach seinem Kähne zurück und verkroch sich unter die Netze, zähneklap-pernd und zitternd, als hielte ihn Satan bereits an einem Fuße fest. Nichtlange daraus kamen die drei Mönche ebenfalls nach dem Kahne zurück und stie-ßen ab. Als sie endlich am andern See-Ufer landeten und ausstiegen, wußteder Fischer so geschickt seinem Versteck zu entschlüpfen, daß die Mönche meinte»,er habe hinter den Weiden ihrer geharrt, und indem ihm einer von ihnenwieder mit eiskalten Fingern den Fährlohn in die Hand drückte, eilten sie stracksvon hinnen.