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der ein widerwärtig lüsternes, ja unzüchtiges Gesicht hatte, mit spitzen Bocks-ohren begabt war, und eine lächerlich übertriebene Gcschlcchtlichkeit, eine höchstanstößige Hyperbel, zur Schau trug. Der andere Mönch warf ebenfalls seineKutte von sich, und man sah einen nicht minder nackten Dickwanst, auf dessenkahlen Glatzkopf die mnthwilligcn Weiber einen Rosenkranz pflanzten. BeiderMönche Antlitz war schneeweiß, wie das der übrigen Versammlung. Schnee-weiß war auch das Gesicht des dritten Mönchs, der schier lachend die Kaputzcvom Haupte streifte. Als er den Gürtelstrick seiner Kutte losband, und dasfromme schmutzige Gewand nebst Kreuz und Rosenkranz mit Ekel von sichwarf, erblickte man in einer von Diamanten glänzenden Tunica eine wunder-schöne Jllnglingsgestalt vom edelsten Ebenmaß, nur daß die runden Hüftenund die schmächtige Taille etwas Weibisches hatten. Auch die zärtlich gewölb-ten Lippen und die verschwimmcnd weichen Züge verliehen dem Jüngling einetwas weibisches Aussehen; doch sein Gesicht trug gleichwohl einen gewissenkühnen, fast nbcrmüthig heroischen Ausdruck. Die Weiber liebkosten ihn mitwilder Begeisterung, setzten ihm einen Ephcukranz auf's Haupt, und warfenauf seine Schulter ein prachtvolles Lcopardcnfell. In demselben Augenblickkam, bespannt mit zwei Löwen, ein goldncr zweirädriger Sicgcswagcn heran-gerollt, auf den sich der junge Mensch mit Hcrrschcrwürde, aber doch heiternBlickes hinaufschwang. Er leitete an purpurnen Zügeln daS wilde Gespann.An der rechten Seite seines Wagens schritt der eine seiner cntkutteten Gefähr-ten, dessen geile Geberden und oben erwähnte unanständige NcbcrtricbcnhcitdaS Publicum ergötzte, während sein Genosse, der kahlköpfige Dickwanst, dendie lustigen Frauen auf einen Esel gehoben hatten, an der linken Seite desWagen einhcrritt, in der Hand einen goldncn Pocal haltend, der ihm bestän-dig mit Wein gefüllt wurde. Langsam bewegte sich der Wage», und hinteribm wirbelte die tanzende Ausgelassenheit der weinlaubgckröntcn Männer undWeiber. Dem Wagen voran ging die Hofcapclle des Triumphators: derhübsche bansbäckige Junge mit der Doppelflötc im Maule; dann die hochge-schürzte Tamburinschlägcrin, die mit den Knöcheln der umgekehrten Hand aufdas klirrende Fell lostrommclte; dann die eben so holdselige Schöne mit deinTriangel; dann die Hornisten, bocksfüßige Gesellen mit schönen aber laScivcnGesichtern, welche auf wunderlich geschwungenen Thierhörncrn oder Seemn-scheln ihre Fanfaren bliesen; dann die Lautcnspicler.—
Doch, lieber Leser, ich vergesse, daß du ein sehr gebildeter und wohlunter-richteter Leser bist, der schon lange gemerkt hat, daß hier von einem Bacchanaledie Rede ist, von einem Feste des DionysuS. Du hast oft genug auf altenBasreliefen oder Kupferstichen archäologischer Werke die Triumphzllge gesehen,die jene» Gott verherrliche», und wahrlich bei deinem klassisch gebildeten Sinnwürdest du nimmermehr erschrecken wenn dir einmal plötzlich in der mitter
Heine. V. 5