ihn aus seiner Gruft wieder hervorziehen, um ihm einen Pfahl durch den Leibzu stoßen, in der Meinung, er müsse ein Vampyr gewesen sein, und die er-krankten Frauen würden durch solches probate Hausmittel genesen; aber manfand das Grab leer.
lieber die Schicksale deS alten Kricgsgottcs Mars, seit dem Siege derChristen, weiß ich nicht viel zu vermelden. Ich bin nicht abgeneigt zu glau-ben, daß er in der Fcudalzcit das Fanstrccht benutzt habcu mag. Der langeSchimmclpennig, Neffe des Scharfrichters von Münster, begegnet ihm zuBologna, wo sie eine Unterredung hatten, die ich au einem andern Orte mit-thcilcn werde. Einige Zeit vorher diente er nntcr Frondsbcrg in der Eigen-schaft eines Landsknechtes, und war zugegen bei der Erstürmung von Rom,wo ihm gewiß bitter zu Muthc war, als er seine alte Lieblingsstadt und dieTempel, worin er selbst verehrt worden, so wie auch die Tempel seiner Ver-wandten so schmählich verwüsten sah.
Besser als dem Mars und dem Apollo war es, nach der großen Netiradc,dem Gottc Bacchus ergangen, und die Legende erzählt Folgendes:
In Tprol gicbt es sehr große Seen, die von Waldungen umgeben, derenhimmelhohe Bänmc sich prachtvoll in der blauen Fluth abspiegeln. Baumund Wasser rauschen so gchcimnißvoll, daß einem wunderlich zu Sinne wird,wenn man dort einsam wandelt. An dem Ufer eines solche» Sccs stand dieHütte eines jungen Fischers, der sich mit dem Fischfang ernährte und auchwohl das Geschäft eines Fährmanns besorgte, wenn irgend ein Reisender überden See gesetzt zu werden begehrte. Er hatte eine große Barke, die an altenBanmstäummen angebunden unfern von seiner Wohnung lag. In dieserletztem lebte er ganz allein. Einst, zur Zeit der herbstlichen Tagesglcichc,gegen Mitternacht, hörte er an sein Fenster klopfen, und als er vor die Thüretrat, sah er drei Mönche, die ihre Köpfe in den Kutten tief vermummt hieltenund sehr eilig zu sein schienen. Einer von ihnen bat ihn hastig, ihnen seinenKahn zu leihen, und versprach, denselben in wenigen Stunden an dieselbeStelle zurückzubringen. Die Mönche waren ihrer drei, und der Fischer, wel-cher unter solchen Umständen nicht lange zögern konnte, band den Kahn los,und während jene einstiegen und über den See fortfuhren, ging er nach seinerHütte zurück, und legte sich aufs Ohr. Jung wie er war, schlief er bald ein,aber nach einigen Stunden ward er von den zurückkehrenden Mönchen aufge-weckt; als er zu ihnen hinaustrat, drückte ihm einer von ihnen ein Silbcrstückals Fahrgeld in die Hand, und alle drei eilten rasch von bannen. Der Fischerging, nach seinem Kahne zu schauen, den er fest angebunden fand. Dannschüttelte er sich, doch nicht wegen der Nachtluft. Es war ihm nämlich son-derbar fröstelnd durch die Glieder gefahren und es hatte ihm fast das Herz er-