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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Roßkämme», die mit hannoverisch rothen Gesichtern im Kreise umherstandcnund vor Entzücken ans ihre gelblederncn Hosen schlugen, daß eS klatschte, wieich noch nie bei einer dramatischen Vorstellung klatschen hörte. Astaroth rittaber wirklich allerliebst und war ein schlankes, hübsches Mädchen mit dengrößten, schwarzen Augen der Holle. Auch Faust war ein schmucker Burschein seinem brillanten Neiterkostümc und er ritt besser als alle anderen deutschenDoktoren, die ich jemals zu Pferde gesehen. Er jagte mit Astaroth um dieSchaubühne herum, wo man jetzt die Stadt Troja und aus den Zinneu der-selben die schöne Helena erblickte.

Unendlich bedeutungsvoll ist die Erscheinung der schönen Helena in der Sagevom Doktor Faust. Sie charaktcrisirt zunächst die Epoche, in welcher dieselbecntstanoen und giebt uns wohl de» geheimsten Ausschluß über die Sage selbst.Jenes ewig blühende Ideal von Anmuth und Schönheit, jene Helena vonGriechenland, die eines Morgens zu Wittenberg als Frau Doktorin Faustihre Auswartung macht, ist eben Griechenland und das Hclcnenthum selbst,welches plötzlich im Herzen Deutschlands cmportaucht, wie beschworen durchZaubersprüche. Das magische Buch aber, welches die stärksten jener Zauber-sprüche enthielt, hieß Homeros, und dieses war der wahre, große Höllcnzwang,welcher den Faust und so viele seiner Zeitgenossen köderte und verführte. Faust,sowohl der historische als der sagenhafte, war einer jener Humanisten, welchedas Gricchcnthum, griechische Wissenschaft und Kunst, in Deutschland mitEnthusiasmus verbreiteten. Der Sitz jener Propaganda war damals Rom,wo die vornehmsten Prälaten dem Cultus der alten Götter anhingen, undsogar der Papst, wie einst sein Rcichsvorgängcr Constantinus, das Amt einesPontifcx Marimus des Hcidcnthums mit der Würde eines Oberhauptes derchristlichen Kirche cumulirtc. ES war die sogenannte Zeit der Wicdcrauf-erstehung oder besser gesagt der Wiedergeburt der antiken Weltanschauung,wie sie auch ganz richtig mit dem Namen Renaissance bezeichnet wird. InItalien konnte sie leichter zur Blüthe und Herrschaft gelangen, als in Deutsch-land, wo ihr durch die gleichzeitige neue Bibelübersetzung auch die Wieder-geburt des judäischen Geistes, die wir die evangelische Renaissance nennenmöchten, so bildcrstürmcnd fanatisch entgegentrat. Sonderbar! die beidengroßen Bücher der Menschheit, die sich vor einem Jahrtausend so feindlichbefehdet und wie kampsmüde während dem ganzen Mittelalter vom Schauplatzzurückgezogen hatten, der Homer und die Bibel, treten zu Anfang des scchs-zehntcn Jahrhunderts wieder öffentlich in die Schranken. Wenn ich obenaussprach, daß die Revolte der realistischen, scnsualistischcn Lebenslust gegendie spiritualistisch-altkatholischc Askese, die eigentliche Idee der Faustsage ist:so will ich hier daraus hindeuten, wie jene scnsualistische, realistische Lebenslustselbst im Gcmüthc der Denker zunächst dadurch entstanden ist, daß dieselben