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drängt und versank schier in Vergessenheit. Beiden Büchern liegt die wohl-gemeinteste Verwarnung gegen TcufelSbündnissc, ein frommer Zweck, zumGrunde. Die dritte Hauptguelle der Faustsage, die sogenannten Höllcn-zwänge, sind Gcistcrbcschworungsbücher, die zum Thcil in lateinischer, zumTheil in deutscher Sprache abgefaßt und dem Doktor Faust selbst zugeschrie-ben sind. Sie sind sehr wunderlich von einander abweichend und knrsircn auchunter verschiedenen Titeln. Der famoseste der Höllcnzwiingc ist „der Meer-geist" genannt: seinen Namen flüsterte man nur mit Zittern, und das Ma-nuskript lag in den Kloftcrbibliothckcn mit einer eisernen Kette angeschlossen.Dieses Buch ward jedoch durch frevelhafte Jndiskrrzion im Jahre IM zuAmsterdam bei Holbek in dem Kohlstcg gedruckt.
Die Volksbücher, welche auS den angegebenen Quellen entstanden sind, be-nutzten auch mitunter ein eben so merkwürdiges Opus über Doktor Faust'szanbcrknndigcn Famulus, der Christoph Wagner geheißen und dessen Aben-teuer und Schwanke nicht selten seinem berühmten Lehrer zugeschrieben wer-den. Der Verfasser, der sein Werk 15A, angeblich nach einem spanischenOriginale, herausgab, nennt sich Tholeth Schotus. Wenn es wirklich auSdem Spanischen übersetzt, was ich aber bezweifle, so ist hier eine Spur, wor-aus sich die merkwürdige Nebcrcinstimmnng der Faustsage mit der Sage vomDon Juan ermitteln ließe.
Hat eS in der Wirklichkeit jemals einen Faust gegeben? Wie manchen an-dern Wundcrthätcr, hat man auch den Faust für einen bloße» Mythos erklärt.Ja, eS ging ihm gewissermaßen noch schlimmer: die Polen, die unglücklichenPolen, haben ihn als ihren Landsmann rcklamirt, und sie behaupten, er seinoch heutigen Tages bei ihnen bekannt unter dem Namen Twardowski. Esist wahr, nach frühesten Nachrichten über Faust bat derselbe auf der Universi-tät zu Krakau die Zauberkunst studirt, wo sie öffentlich gelehrt ward, als freieWissenschaft, was sehr merkwürdig; eS ist auch wahr, daß die Polen damalsgroße Hexenmeister gewesen, was sie heut zu Tage nicht sind: aber nnscr Dok-tor Johannes Faustus ist eine so grundehrliche, wahrheitlichc, tiefsinnig naive,nach dem Wesen der Dinge lechzende, und selbst in der Sinnlichkeit so gelehrteNatur, daß er nur eine Fabel oder ein Deutscher sein konnte. Es ist aber anseiner Existenz gar nicht zu zweifeln, die glaubwürdigsten Personen geben da-von Kunde, z. B. Johannes Wierus, der das berühmte Buch über daö He-xenwesen geschrieben, dann Philipp Melanchthon, der Waffenbruder Luthcr's,so wie auch der Abt Trithcim, ein großer Gelehrter, welcher ebenfalls mit Ge-heimnissen sich abgab und daher, beiläufig gesagt, vielleicht aus Handwcrksneidden Faust herabzuwürdigen und ihn als einen unwissenden Marktschreier dar-zustellen suchte. Nach den eben erwähnten Zeugnissen von WieruS und Mc-
Helne, z