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herstolzircnd. Vor ihm marschiren Trommler und Pfeifer, auch der Fahnen-träger, ein kurzbcinigtcr Knirps, der mit einer Ungeheuern Fahne die drollig-sten Schwenkungen verrichtet; die ganze Schützcngildc folgt gravitätisch hinter-her. Vor dem dicken Bürgermeister und seiner nicht minder korpulenten Gat-tin, die nebst ihrem Töchterlein unter den Linden sitzen, wird die Fahne ge-schwenkt und neigen sich respektvoll die Vorüberziehenden. Jene erwicdern dieSalutazion, und ihr Töchtcrlcin, ein blondlockiges Jungfrauenbild aus derniederländischen Schule, kredenzt dem Schützenkönig den Ehrcnbcchcr.
Trompetenstöße ertönen und auf einem hohen mit Laubwerk geschmücktenKarren, der von zwei schwarzen Gäulen gezogen wird, erscheint der hochge-ehrte Doktor Faust in scharlachrotstem und goldbetreßtem Quacksalberkostüme;dem Wagen voran, die Pferde lenkend, schreitet Mcphistophcla, ebenfalls ingrell marktschreierischem Aufputz, reich bebändert und befiedert und in derHand eine große Trompete, worauf sie zuweilen Fanfaren bläst, während sieeine das Volk heranlockende Reklame tanzt. Die Menge drängt sich alsbaldum den Wagen, wo der fahrende Wunderdoktor allerlei Tränklci» und Mix-turen gegen baare Bezahlung austhcilt. Einige Personen bringen ihm ingroßen Flaschen ihren Urin zur Besichtigung. Andern reißt er die Zähneaus. Er thut sichtbare Mirakelkurcn an verkrüppelten Kranken, die ihn ge-heilt verlassen und vor Freude tanzen. Er steigt endlich herab vom Wagen,der davon fährt, und verthcilt unter die Menge seine Phiolen, aus welchenman nur einige Tropfen zu genießen braucht, um von jedem Leibesübcl gehelltund von der unbändigsten Tanzlnst ergriffen zu werden. Der Schützenkönig,welcher den Inhalt einer Phiole verschluckt, empfindet dessen Zaubcrmacht, erergreift Mcphistophcla und hopst mit ihr ein Pas-dc-dcux. Auch auf den be-jahrten Bürgermeister und seine Gattin übt der Trank seine beinbcwcgcndcWirkung, und beide humpeln den alten Großvatcrtanz.
Während aber das sämmtlichc Publikum im tollsten Wirbel sich umherdreht, hat Faust sich der Bürgermcistcrstochtcr genaht, und bezaubert von ihrerreinen Natürlichkeit, Zucht und Schöne, erklärt er ihr feine Liebe, und mitwchmüthigcn, fast schüchterneu Gcberden nach der Kirche deutend, wirbt er umihre Hand. Auch bei den Acltern, die sich keuchend wieder auf ihre Bank nie-derlassen, wiederholt er seine Werbung; jene sind mit dem Antrag zufrieden,und auch die naive Schöne gicbt endlich ihre verschämte Zustimmung. Letz-tere und Faust werden jetzt mit Blumensträußen geschmückt und tanzen alsBraut und Bräutigam ihre sittsam bürgerlichen Hhincnccn. Der Doktor hatendlich im bescheiden süßen Stilllcbcn das Hausglück gefunden, welches dieSeele befriedigt. Vergessen sind die Zweifel und die schwärmerischen Schmerz»gcnllsse des Hochmuthsgcistes, und er strahlt vor innerer Bescligung, wie dervergoldete Hahn eines Kirchthurms.