— 13 —
milchigstem Naserümpfen; er kniet flehend vor ihr nieder und sie wiederholtnur noch beleidigender ihre Gesten der Verachtung.
Der arme Doktor wendet sich hierauf mit bittenden Blicken an Mcphisto-phela, doch diese erwicdert sie mit schalkhaftem Achselzucken und sie bewegt ihrenZauberstab. Aus dem Boden taucht sogleich bis zur Hüfte ein häßlicher Affehervor, der aber auf ein Zeichen der Mephistophcla, die ärgerlich den Kopsschüttelt, schleunigst wieder hinabsinkt in den Boden, woraus im nächsten Au-genblicke ein schöner, schlanker Ballettänzer hervorspringt, welcher diebanalstenPas cxekutirt. Der Tänzer naht sich dem Spiegclbilde, und indem er dem-selben mit der fadesten Süffisance seine buhlerischen Huldigungen darbringt,lächelt ihm das schöne Weib aufs holdseligste entgegen, sie streckt die Armenach ihm aus mit schmachtender Sehnsucht und erschöpft sich in den zärtlich-sten Demonstrationen. Bei diesem Anblick gerätst Faust in rasende Verzweif-lung, doch Mephistophcla erbarmt sich seiner und mit ihrem Zaubcrstab be-rührt sie den glücklichen Tänzer, der auf der Stelle in die Erde zurücksinkt,nachdem er sich zuvor in einen Affen verwandelt und seine abgestreifte Tänzcr-kleidung auf dem Boden zurückgelassen hat. Jetzt reicht Mephistophcla wiederdas Pcrgamcntblatt dem Faust dar, Und dieser, ohne langes Besinnen, öffnetsich eine Ader am Arme, und mit seinem Blute unterzeichnet er den Kontrakt,wodurch er, für zeitliche irdische Genüsse, seiner himmlischen Seligkeit entsagt.Er wirft die ernste ehrsame Doktortracht von sich und zieht den sündig buntenFlitterstaat an, den der verschwundene Tänzer am Boden zurückgelassen; beidieser Umkleidung, die sehr ungeschickt von Statten geht, hilft ihm das leicht-fertige Corps-dc-Ballct der Hölle.
Mephistophcla gicbt dem Faust jetzt Tanzunterricht, und zeigt ihm alleKunststücke und Handgriffe, oder vielmehr Fußgriffe des Metiers. Die Nn-beholfcnheit und Steifheit des Gelehrten, der die zierlich leichten Pas nach-ahmen will, bilden die ergötzlichsten Effekte nnd Kontraste. Die teuflischenTänzerinnen wollen auch hier nachHelsen, jede sucht aus eigne Weise die Lehredurch Beispiel zu erklären, eine wirft den armen Doktor in die Arme derandern, die mit ihm herumwirbclt; er wird hin und her gezerrt, doch durch dieMacht der Liebe und des Zaubcrstabs, der die unfolgsamen Glieder allmähliggelenkig schlägt, erreicht der Lehrling der Cholegraphie zuletzt die höchste Fer-tigkeit : er tanzt ein brillantes Pas-de-deur mit Mephistophcla, und zur Freudeseiner Kunstgenossinncn fliegt er auch mit ihnen umher in den wunderlichstenFiguren. Nachdem er es zu dieser Virtuosität gebracht, wagt er eS als Tänzerauch vor dem schönen Fraucnbildc des Zauberspicgels zu erscheinen, und diesesbeantwortet seine tanzende Leidenschaft mit den Gebcrdcn der glühendstenGegenliebe. Faust tanzt mit immer sich steigernder Seclcntrunkenheit; Me-Heine. V. 2