Druckschrift 
5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

phistophela aber reißt ihn fort von dem Spiegelbilde, das durch die Berüh-rung des Zauberstabes wieder verschwindet, und fortgesetzt wird der höhereTanznnterricht der altclassischen Schule.

Zweiter Akt.

Großer Platz vor einem Schlosse, welches zur rechten Seite sichtbar. Aufder Rampe, umgeben von ihrem Hofgesinde, Rittern und Damen, sitzen inhohen Throuscsscln der Herzog und die Herzogin, crstcrcr ein stcifältlicherHerr, letztere, ein junges, üppiges Weib, ganz das Konterfei des Frauenbilds,welches der Zauberspiegel des ersten Akts dargestellt hat» Bcmerklich ist, daßsie am linken Fuße einen güldenen Schuh trägt.

Die Scene ist prachtvoll geschmückt zu einem Hoffcste. Es wird ein Schä-ferspiel aufgeführt, im ältesten Roccocogcschmacke: graziöse Fadheit und ga-lante Unschuld. Diese süßlich gezierte Arkadicn-Tänzclei wird plötzlich un-terbrochen und verscheucht durch die Ankunft des Faust und der Mcphistophcla,die in ihrem Tanzkostüm und mit ihrem Gefolge von dämonischen Ballettän-zerinnen, unter jauchzenden Fanfaren, ihren Siegcseinzug halten. Faustund Mephistophela machen ihre springenden Reverenzen vor dem Fürstcnpaar,doch erster» und die Herzogin, indem sie sich näher betrachten, sind betroffenwie von freudigster Erinnerung: sie erkennen sich und wechseln zärtliche Blicke.Der Herzog scheint mit besonders gnädigem Wohlwollen die Huldigung Mc-phistophcla's entgegen zu nehmen. In einem ungestümen Pas-de-dcur,welches letztere jetzt mit Faust tanzt, haben beide fllrnehmlich das Fürstcnpaarim Auge, und während die teuflischen Tänzerinnen sie ablösen, kos't Mephi-stophela mit dem Herzog und Faust mit der Herzogin; die überschwänglichePassion der beiden Letztern wird gleichsam parodirt, indem Mephistophela deneckigen und steifleinenen Graziösitäten des Herzogs eine ironische Zimperlich-keit entgegensetzt.

Der Herzog wendet sich endlich gegen Faust und verlangt, als eine Probeseiner Schwarzkunst, den verstorbenen König David zu sehen, wie er vor derBundeslade tanzte. Auf solches allerhöchste Verlangen nimmt Faust denZauberstab aus den Händen Mephistophela's, schwingt ihn in beschwörenderWeise, und aus der Erde, welche sich öffnet, tritt die begehrte Gruppe hervor:Aus einem Wagen, der von Leviten gezogen wird, steht die BundeSlade, vorihr tanzt König David, possenhaft vergnügt und abenteuerlich geputzt gleicheinem Kartenkönig, und hinter der heiligen Lade, mit Spießen in den Hän-den, hüpfen schaukelnd einher die königlichen Leibgarden, gekleidet wie polnischeJuden in lang herabschlotternd schwarzseidcnen Kaftans und mit hohen Pelz-