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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Eifer seine Beschwörungen, aber diesmal schwindet plötzlich die Dunkelheit,das Zimmer erhellt sich mit unzähligen Lichtern, statt des Donnerwetters er-tönt die liedlichste Tanzmusik, und aus dem geöffneten Boden, wie aus einemBlumenkorb, steigt hervor eine Ballettänzerin, gekleidet im gewöhnlichen Gaze-und Trikot-Kostüme und umhergaukelnd in den banalsten Pirouetten.

Faust ist anfänglich darob befremdet, daß der beschworene Teufel Mephisto-phcles keine unheilvollere Gestalt annehmen konnte als die einer Ballettänzerin,doch zuletzt gefällt ihm diese lächelnd anmuthige Erscheinung und er macht ihrein gravitätisches Kompliment. Mephistopheles oder vielmehr Mephistophela,wie wir nunmehr die in die Weiblichkeit übergegangene Teufelei zu nennenhaben, erwiedert parodirend das Kompliment des Doktors und umtänzelt ihnin der bekannten koketten Weise. Sie hält einen Zauberstab in der Hand undAlles, was sie im Zimmer damit berührt, wird aufs Ergötzlichste umgewan-delt, doch dergestalt, daß die ursprüngliche Formation der Gegenstände nichtganz vertilgt wird, z. B. die dunkeln Planetcnbilder erleuchten sich buntfarbigvon innen, aus den Pokalen mit Mißgeburten blicken die schönsten Vögel her-vor, die Eulen tragen Girandolen im Schnabel, prachtvoll sprießen an denWänden hervor die kostbarsten güldenen Geräthe, venetianischc Spiegel, antikeBasreliefs, Kunstwerke, alles chaotisch gespenstisch und dennoch glänzend schön:eine ungeheuerliche Arabeske. Die Schöne scheint mit Faust ein Freund-schaftsbündniß zu schließen, doch das Pergament, das sie ihm vorhält, die furcht-bare Verschrcibung, will er noch nicht unterzeichnen. Er verlangt von ihr dieübrigen höllischen Mächte zu sehen, und diese, die Fürsten der Finstcrniß, tre-ten alsbald aus dem Boden hervor. Es sind Ungcthüme mit Thierfratzcn,fabelhafte Mischlinge des Skurrilen und Furchtbaren, die meisten mit Kronenauf den Köpfen und Sceptern in den Tatzen. Faust wird denselben von derMephistophela vorgestellt, eine Präsentazion, wobei die strengste Hosctikctte vor-waltet. Ceremoniös cinherwackelnd, beginnen die untcrweltlichen Majestätenihren plumpen Reigen, doch indem Mephistophela sie mit dem Zauberstabe be-rührt, fallen die häßlichen Hüllen plötzlich von ihnen, und sie verwandeln sichebenfalls in lauter zierliche Ballettänzerinnen, die in Gaze und Trikot und mitBlumenguirlanden dahinflattcrn. Faust ergötzt sich an dieser Metamorphose,doch scheint er unter allen jenen hübschen Teufelinnen keine zu finden, die sei-nen Geschmack gänzlich befriedige; dieses bemerkend, schwingt Mephistophelawieder ihren Stab, und in einem schon vorher an die Wand hingezaubertenSpiegel erscheint das Bildniß eines wunderschönen Weibes in Hoftracht undmit einer Herzogkroue auf dem Haupte. Sobald Faust sie erblickt, ist er wiehingerissen von Bewunderung und Entzücken, und er naht dem holden Bild-niß mit allen Zeichen der Sehnsucht und Zärtlichkeit. Doch das Weib imSpiegel, welches sich jetzt wie lebend bewegt, wehrt ihn von sich ab mit hoch-