2 Waage.
Gewicht der Körper, d. h. die Menge der in ihnen enthalte-nen, gegen die Erde gravitirenden Theilchen, gemessen wird.Je nacli den verschiedenen Bestimmungen hat man diesen Ap-paraten eigcnthiimliche Namen gegeben, und man unterscheidetdaher die sogenannten Krämerwaagen, die chemischen, die Pro—birwaagen, Goldwaagen, hydrostatische Waagen u. dgl. Vonder anderen Seite hat das Princip, worauf sie bernhn, denGrund zu eigenthümlichen Benennungen gegeben, indem siezweiarmige Waagen, Schnellwaagen, Federwaagen u. s. w.heifsen. Alle diese einzelnen Benennungen werden im Folgen-den, so weit es nöthig ist, berücksichtigt werden.
Die meisten und zugleich richtigsten liier zu untersuchendenWaagen bernhn auf dem Principe des Hebeln l 2 , indem die zumessenden Lasten und Gewichte die auf die Hebelarme wir-kenden Kräfte ersetzen. Die einfachste Anwendung dieses Prin-cips ist aber in der zweiarmigen oder gleicharmigen, der soge-nannten Krämerwaage, gegeben, die nach ihren verschiedenenBestimmungen wieder als chemische IVaage, Goldwaage , Pro-birwaage, hydrostatische TVaage u. s. w. bezeichnet wird,und da so vieles, was bei diesen Apparaten überhaupt zumWesen der Sache gehört, gerade hierbei vorzüglich in Betrach-tung kommt, so ist es am geeignetsten, die Erfordernisse einerguten Waage und deren Bedingungen bei der Untersuchungüber die Krämerwaage zu erörtern.
Man pflegt die Theorie der Waage, die auf den Ge-setzen des Flebels und des Schwerpunctes beruht, vermittelstder sogenannten Universalwaage anschaulich zu machen,die nach Leutold 2 aus einem hölzernen, ganz regulären,in eine gewisse Anzahl gleicher Theile getheilten, Paralie—lepipedum besteht und mit gewöhnlichen, unten zugeschärf—ten Zapfen in Pfannen auf einem Stative ruht. Soll derApparat feiner seyn, so verfertigt man den AVaagebalkenaus Stahl und theilt ihn in gleiche aliquote Theile, die zu nochgröfserer Schärfe mit einem Nonius versehn und so einsrerich-tet werden, dafs sich die Schieber, deren mittlerer den Waa-gebalken trägt, während an den beiden äufsern die Waagscha-len befestigt sind, auf dem AVaagebalken sanft verscliieben und
1 S. Art. Hebel. Rd. V. S. 105.
2 Theatrum staticum universale. Leipz. 1725. fob Tab.V. fig. 2.