Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
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Nachricht mitteilen können). Schreiben Sie an Or. H. H.poste restante in Florenz; in zwei bis drei Wochenwandle ich auf dem Boden, wo Dante, Macchiavell,Leonardo da Vinci, Michel Angelo gewandelt. Dort leseich Ihre Zeilen. Ich weiß, Sie stecken bis am Hals inGeschäften, deshalb sage ich: Zeilen. Im Grunde ist esauch nicht nötig, daß Leute unserer Art sich einander vielschreiben. Unsere Bücher sind große Briefe, die dochzumeist an die Leute unserer Art gerichtet sind.

Was ich über Italien denke, werden Sie daher spätoder früh gedruckt lesen. Der Mangel an Kenntnis deritalienischen Sprache quält mich sehr. Ich versteh' dieLeute nicht und kann nicht mit ihnen sprechen. Ich seheItalien, aber ich höre es nicht. Dennoch bin ich oftnicht ganz ohne Unterhaltung. Hier sprechen die Steine,und ich verstehe ihre stumme Sprache. Auch sie scheinentief zu fühlen, was ich denke. So eine abgebrocheneSäule aus der Römerzeit, so ein zerbröckelter Longo-bardenturm, so ein verwittertes gotisches Pfeilerstückversteht mich recht gut. Bin ich doch selbst eine Ruine,die unter Ruinen wandelt. Gleich und gleich verstehtsich schon. Manchmal zwar wollen mir die alten Palästeetwas Heimliches zuflüstern, ich kann sie nicht hörenvor dem dumpfen Tagesgeräusch; dann komme ich desNachts wieder, und der Mond ist ein guter Dolmetsch,der den Lapidarstil versteht und in den Dialekt meinesHerzens zu übersetzen weiß. Ja, des Nachts kann ichItalien ganz verstehen, dann schläft das junge Volk mitseiner jungen Opernsprache, und die Alten steigen ausihren kühlen Betten und sprechen mit mir das schönsteLatein. Es hat etwas Gespenstisches, wenn man nach

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