Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
329
Einzelbild herunterladen
 

124. An Wolfgang Menzel.

München, den 2. Mai 1828.

Lieber Menzel!

Sie kommt! sie kommt! Die unüberwindliche Ar-mada! und anbei schicke ich die Druckbogen nebst Brief,der an die Redaktion derPolitischen Annale«" zuge-kommen. Ich weiß nicht, was damit anzufangenaußer, daß Sie darüber lachen sollen, und mir den Quarkzurückschicken.

Ich darf nicht indiskret sein. In diesem Schacht istkein Gold, ebensowenig, wie der Herr Or. Leo einLöwe ist; oder wissen Sie nicht, daß letzterer, der einstIhre Geschichte in der Jenaer Liter. Zeitung malträtierte,auch jetzt in Berlin nebst Raumer, Streckfuß usw. gegenSie agiert? Ich wünschte Ihnen stärkere Gegner.Wenn ich noch nicht gegen Sie aufgetreten, wahrlich,so geschah es nicht aus Mangel an gutem Willen, sondernweil ich überhaupt hier noch zu nichts Vernünftigem ge-kommen. Aber, da geb' ich Ihnen mein Ehrenwortdrauf, entgehen werden Sie mir nicht. Diesen Winterwar ich fast kopstot und jetzt zerstreut mich der Mün-chener Frühling. Ich will mich daher, in vierzehn Tagen,ins Gebirge zur tätigen Einsamkeit zurückziehen. ÜberMünchen wäre viel zu schreiben. Kleingeisterei von dergroßartigsten Art. Schelling und Görres Hab ich nochnicht gesprochen. Desto mehr sehe ich die zwei großenLichter des Tages, die Dioskuren am Sternenhimmelder hiesigen Poesie, M. Beer und E. Schenk. Über desersteren Tragödie habe ich im Morgenblatt Bericht er-

329