Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
291
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107. An Varnhagen von Ense.

Lüneburg, den 34. Oktober 182«.

Glauben Sie nur nicht, ^daß ich Ihnen langenicht geschrieben, im Gegenteil, ich habe Ihnen vielgeschrieben, aber ich habe den Brief wieder zerrissen, undzwar aus der ganz natürlichen Ursache, weil er keinen be-stimmten Inhalt hatte. Was hilft's, wenn ich IhnenRäsonnements schreibe? Diese bleiben doch unvoll-ständig und find nur Aussprüche der augenblicklichenStimmung, und diese ändert sich jeden Augenblick. Da-gegen ist es für unsereinen so schwer, bestimmt auszu-sprechen, was wir eigentlich wollen, wonach wir wirklichstreben usw. Wie selten wissen wir es selbst! Dochsoviel ich davon weiß, will ich Ihnen sagen:

Als ich Ihren und Frau von Varnhagens Brief er-hielt, war ich entzückt doch das wissen Sie auswendig ich las die lieben Briefe drei-, vier-, dreißig-, vierzig-mal, so daß mir das Herz sehr heiter und der Kopf ganzklar wurde, und, wie ein Stern in der Nacht, der lichteGedanke in mir aufstieg: ich will nach Paris reisen,ja, ja!

Sie haben in der Hauptsache recht, lieber Varn-hagen, dieser Platz ist für mich geeignet.

Nun aber sind meine Verhältnisse so verwickelt,baß sich die Sache nicht so schnell machen ließ. Zuerstmeine Gesundheit. Sie ist noch immer nicht brillant undverlangt große Opfer. Ich reiste daher nochmals nachNorderney ins Seebad, wo ich fast zwei Monate blieb.Es war mir gewiß sehr heilsam, doch habe ich eineradikale Wirkung noch nicht verspürt und befinde mich

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