106. An Karl Jmmermann.
Lüneburg, den 14. Oktober 482K.
Soll ich wegen meines langen StillschweigensIhnen lange Entschuldigungen schreiben? Ich überlasseIhnen selbst dies Geschäft. Sie wissen ja, wie so einemarmen Subjcktivling zumute ist, und man braucht esIhnen nicht erst weitläufig auseinanderzusetzen. ÄußereBegebenheiten drängten sich bei mir allzusehr, als daßzum Mitteilen Zeit übrig blieb. Ich verließ Göttingen,suchte in Hamburg ein Unterkommen, fand aber nichtsals Feinde, Verklatschung und Arger, gab aus Gegen-ttotz den ersten Teil der „Reiscbilder" heraus (ich habesie Ihnen geschickt, haben Sie sie erhalten?), reiste zumzweiten Male nach dem Norderneyer Seebad, schwammund kreuzte verdießlich auf der Nordsee herum, und binvor drei Wochen hier im Schöße meiner Familie zurück-gekehrt, bedeutend gesunder, aber noch immer krank,kirchhosruhig und in der Absicht, einige Monate oder solange hier zu bleiben, bis die Langeweile mich forttreibt.Aber, waö kein Mensch weiß, und was ich bloß Ihnensage — und was Sie keinem Menschen wiedersagendürfen — das ist mein Plan, mein wiedergefaßter Plan,Deutschland auf immer zu verlassen, nachdem ich diesenWinter noch einige Zeit in Hamburg verweilt, wo ichden zweiten Teil der „Reisebilder" alsdann drucken lasse.Bon da soll es zur See nach Amsterdam gehen, und vonda nach Paris. O, wie lieb' ich das Meer! Ich bin mitdiesem wilden Element so ganz herzinnig vertrautworden, und es ist mir wohl, indem es tobt. An Varn-hagens habe ich, seit ich ihm die „Reisebilder" geschickt
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