Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
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der Zeit kennen lernte, als ich dasIntermezzo" schrieb.Ich habe sehr früh schon das deutsche Volkslied auf michwirken lassen; späterhin, als ich in Bonn studierte, hatmir August Schlegel viel metrische Geheimnisse aufge-schlossen, aber ich glaube erst in Ihren Liedern den reinenKlang und die wahre Einfachheit, wonach ich immerstrebte, gefunden zu haben. Wie rein, wie klar sindIhre Lieder, und sämtlich sind es Volkslieder. In meinenGedichten hingegen ist nur die Form einigermaßen volks-tümlich, der Inhalt gehört der konventionellen Gesell-schaft. Ja, ich bin groß genug, es sogar bestimmt zuwiederholen, und Sie werden es mal öffentlich aus-gesprochen finden, daß mir durch die Lektüre Ihrer 77 Ge-dichte zuerst klar geworden, wie man aus den alten vor-handenen Volksliederformen neue Formen bilden kann,die ebenfalls volkstümlich sind, ohne daß man nötig hat,die alten Sprachholperigkeiten und Unbeholfenheitennachzuahmen. Im zweiten Teil Ihrer Gedichte fand ichdie Form noch reiner, noch durchsichtig klarer doch,was spreche ich viel von Formwesen, es drängt michmehr, Ihnen zu sagen, daß ich keinen Liederdichter außerGoethe so sehr liebe wie Sie. Uhlands Ton ist nichteigentümlich genug und gehört eigentlich den alten Ge-dichten, woraus er seine Stoffe, Bilder und Wendungennimmt. Unendlich reicher und origineller ist Rückert,aber ich habe an ihm zu tadeln, alles, was ich an mirselbst tadle: wir sind uns im Irrtum verwandt, und erwird mir oft so unleidlich, wie ich es mir selbst werde.Nur Sie, Wilhelm Müller, bleiben mir also rein genieß-bar übrig, mit Ihrer ewigen Frische und jugendlichenUrsprünglichkeit. Mit mir selbst, wie gesagt, steht es

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