Ich werde nie vergessen, Herr Hosrat, wie viel ichIhnen verdanke durch die rühmliche Anerkennung, womitSie mich bei meinem ersten literarischen Auftreten er-freuten, und ich bleibe immer, Herr Hosrat,Ihr ergebenster Verehrer
Heinrich Heine, Or. jur.
g7. An Wilhelm Müller.
Hamburg, den 7. Juni 18SK.
Ich ergreife die Gelegenheit, Ihnen bei Übersendungmeiner „Reisebilder" einige Worte des Herzens zu-kommen zu lassen. Ich hätte Ihnen schon längst schreibenund Ihnen danken sollen für die liebevolle Aufnahme,welche meine Tragödien und Lieder bei Ihnen gesunden.Aber ich wollte warten, bis die trüben Nebel, die meineSeele umhüllten, in etwas zerronnen — ich war nämlichlange Zeit krank und elend. Jetzt bin ich es kaum noch zurHälfte, und ein solcher Zustand könnte auf dieser Erdevielleicht schon Glück genannt werden. Mit der Poesiegeht es noch besser, und ich hege viele freudige Hofs-nungen für die Zukunft. „Die Nordsee" gehört zumeinen letzten Gedichten, und Sie erkennen daraus,welche neue Töne ich anschlage und in welchen neuenWeisen ich mich ergehe. Ich bin groß genug, Ihnen offenzu bekennen, daß mein kleines „Jntermezzo"-Metrumnicht bloß zufällige Ähnlichkeit mit Ihrem gewöhnlichenMetrum hat, sondern daß es wahrscheinlich seinen ge-heimnisvollsten Tonfall Ihren Liedern verdankt, indemes die lieben Müllerschen Lieder waren, die ich zu eben
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