Die gute Aufnahme meiner ersten Produktionen hatmich nicht, wie es leider zu geschehen pflegt, in den süßenGlauben hineingewiegt, ich sei nun ein für allemal einGenie, das nichts zu tun braucht, als die liebe klarePoesie geruhig aus sich herausfließen und von aller Weltbewundern zu lassen. Keiner fühlt mehr als ich, wiemühsam es ist, etwas Literarisches zu geben, das nochnicht da war, und wie ungenügend es jedem tieferenGeiste sein muß, bloß zum Gefallen des müßigen Haufenszu schreiben. Bei solchem Streben kannst Du Dir wohlvorstellen, daß ich manchen Anforderungen und Erwar-tungen nicht entsprechen kann. So ist unter andern meinFreund Rousseau unwillig geworden, daß ich ihn nichtin seinen poetischen Unternehmungen kräftig unterstützt,und er hat mir sogar vor einem halben Jahre förmlichdie Kameradschaft aufgekündigt, als ich mich unum-wunden über die Hohlheit und Leerheit seines Zeitschrift-treibens gegen ihn aussprach. Du magst sagen, was Duwillst, er hat wahrhaftig echtes Talent, und verdient,schon seines Herzens wegen, ein besseres Schicksal in derLiteratur. Aber der Teufel hole sein zweckloses Treiben!Mich wenigstens will es bedünken, als ob es einem tüch-tigen Geist minder unerquicklich wäre, etwas Schlechteszu tun, als etwas Nichtiges.
Lächle nicht, lieber Simrock, über den mürrischenErnst, der mich anwandelt; auch Dich wird er einst er-fassen, wenn Du mancher Dinge überdrüssig bist, die Dichvielleicht jetzt noch amüsieren. Ich darf glauben, daß wirmanche Anschauungsweise miteinander gemein haben,und daher erklär' ich's mir auch, warum Dir, Simrock,manches Gedicht von mir zusagen kann, und warum ich
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