9t. An Karl Simrock.
Herrn Karl Simrock aus Bonn,Referendarius beim Stadtgerichte in Berlin.
Hamburg, den 30. Dezember tssz.
Lieber Simrock!
Du hast mir mal geschrieben, daß einer unsererLandsleute, Ries, einige meiner Lieder in Musik gesetzthat. Kannst Du mir nicht diese Kompositionen ver-schaffen? Du tust mir einen sehr großen Gefallen. Eineliebe Sängerin hat mich nämlich gestern abend dreiviertelStund' lang gequält, ihr einige Kompositionen meinerLieder zu besorgen. Du siehst, lieber Freund, wenn ichdie Leute nötig habe, so schreibe ich ihnen. Du aberhättest wohl verdient, daß ich Dir früher mal schreibensollte; Hab ich doch vor geraumer Zeit den „Musen-almanach" mal zu Gesicht bekommen und in einigenReimen gesehen, daß Du, den ich gleich als den Verfassererkannte, noch mit Freundlichkeit an mich denkst — anmich, der ich Dir auf Deinen lieben Brief vorigenWinter nicht geantwortet habe. Entschuldigungen Habich genug — Krankheit, Jurisprudenz und Faulheit.Erstere hielt mich sehr niedergedrückt; doch jetzt geht esbesser. Seit August Hab' ich Göttingen verlassen, reistenach der Insel Norderney, wo ich mit Erfolg das See-bad gebrauchte; jetzt will ich hier überwintern undmit den ersten Schwalben nach Berlin zurückkehren.Dort hoffe ich Dich zu sehen. Mit historischen Studienund Vorarbeiten zu künftigen Werken bin ich jetzt nochbeschäftigt. Poetisches fließt wenig aus meiner Feder.
2SK