Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
249
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schenken, nämlich das Versprechen: daß ich mich vor derHand noch nicht totschießen will.

Wenn Du wüßtest, was jetzt in mir vorgeht, sowürdest Du einsehen, daß dieses Versprechen wirklich eingroßes Geschenk ist, und Du würdest nicht lachen, wieDu es jetzt tust, sondern Du würdest so ernsthaft aus-sehen, wie ich in diesem Augenblicke aussehe.

Vor kurzem Hab' ich denWerther" gelesen. Dasist ein wahres Glück für mich.

Vor kurzem Hab' ich auch denKohlhaas" vonHeinrich von Kleist gelesen, bin voller Bewunderung fürden Verfasser, kann nicht genug bedauern, daß er sichtotgeschossen, kann aber sehr gut begreifen, warum er esgetan.

Was mein äußeres Leben betrifft, so ist es nichtder Mühe wert, daß ich davon spreche. Du siehst Cohenja diese Tage, und er kann Dir erzählen, wie ich nachHamburg gekommen, dort Advokat werden wollte und esnicht wurde. Wahrscheinlich kann Cohen Dir die Ur-sache nicht angeben; ich aber auch nicht. Hab' ganzandere Dinge im Kopfe, oder, besser gesagt, im Herzen;und will mich nicht damit plagen, zu meinen Handlungendie Gründe aufzufinden.

Ich will bis Frühjahr hier bleiben, beschäftigt mitmir selbst, und, wie ich glaube, auch mit Vorarbeitenzu den Vorlesungen, die ich an der Berliner Universitäthalten will.

Freitag.

Während ich gestern an Dich schrieb, erhielt ichDeinen lieben Brief vom 13. Dezember. Ich hätte Dir