heute kann ich Dir bloß den Empfang der 10 Louisdormelden und, wie gesagt, die Nachricht der stattgesundcnenPromotion. Ich habe disputiert wie ein Kutschenpferdüber die 4. und 5. Thesis, Eid und conlärreatio. Esging sehr gut, und der Dekan (Hugo) machte mir beidieser feierlichen Szene die größten Elogen, indem erseine Bewunderung aussprach, daß ein großer Dichterauch ein großer Jurist sei. Wenn mich letztere Wortenicht mißtrauisch gegen dieses Lob gemacht hätten, sowürde ich mir nicht wenig darauf einbilden, daß manvom Katheder herab in einer langen lateinischen Redemich mit Goethe verglichen und auch geäußert, daß nachdem allgemeinen Urteil meine Verse den Goetheschen andie Seite zu setzen sind. Und dieses sagte der großeHugo aus der Fülle seines Herzens, und privatim sagteer noch viel Schönes denselben Tag, als wir beide mit-einander spazieren fuhren und ich von ihm auf einAbendessen gesetzt wurde. Ich finde also, daß Gansunrecht hat, wenn er in geringschätzendem Tone vonHugo spricht. Hugo ist einer der größten Männerunseres Jahrhunderts.
Gestern habe ich den ganzen Tag mit Briefschreibenan meine Familie und Gratuliertwerden vertrödelt, undheute bin ich tot. Erschrick nicht über letztere Worte,ich sprach bloß im figürlichen Sinn. Ich kann Dir alsoheute nicht schreiben, obschon ich unendlichen Stoff dazuhabe, besonders wenn ich Dir ausführlich sagen wollte,wie sehr ich Dich liebe und wie sehr Du es verdienst, ge-liebt zu werden.
Im ganzen geht es gut mit meiner Gesundheit.Ich werde wohl jetzt nicht lange mehr hier bleiben. In
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