Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
235
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gesagt, daran hast Du nichts verloren. Er ist nur nochdas Gebäude, worin einst Herrliches geblüht, und nurdas war's, was mich an ihm interessierte. Er hat einwehmütiges Gefühl in mir erregt, und er ist mir liebergeworden, seit ich ihn bemitleide. Im Grunde abersind ich und Goethe zwei Naturen, die sich in ihrerHcterogenität abstoßen müssen. E r ist von Haus ausein leichter Lebemensch, dem der Lebensgenuß das Höchste,und der das Leben für und in der Idee wohl zuweilenfühlt und ahnt und in Gedichten ausspricht, aber nietief begriffen und noch weniger gelebt hat. Ich hingegenbin von Haus aus ein Schwärmer, d. h. bis zur Auf-opferung begeistert für die Idee, und immer gedrängt,in dieselbe mich zu versenken, dagegen aber habe ich denLebensgenuß begriffen und Gefallen daran gefunden, undnun ist in mir der große Kampf zwischen meiner klarenVcrnünftigkeit, die den Lebensgenuß billigt und alleaufopfernde Begeisterung als etwas Törichtes ablehnt,und zwischen meiner schwärmerischen Neigung, die oft un-versehens aufschießt, und mich gewaltsam ergreift, undmich vielleicht einst wieder in ihr uraltes Reich hinab-zieht, wenn es nicht besser ist zu sagen: hinauf-zieht; denn es ist noch die große Frage, ob der Schwär-mer, der selbst sein Leben für die Idee hingibt, nicht ineinem Momente mehr und glücklicher lebt, als Herrvon Goethe während seines ganzen sechsundsiebzigjähri-gen egoistisch behaglichen Lebens.

Doch ein andermal mehr hiervon; heut ist mir derKopf ganz matt von unsäglichen Abmühungen. Wirstauch jenes Thema im Rabbi wiederfinden.

Der Saphir, von dem Du sprichst, scheint noch sehr

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