82. An Moses Moser.
Göttingen, den t. Juli 182S.
Deinen Brief vom 11. v. Mts. habe ich richtigerhalten, und mit Freude habe ich aus dem Ton desselbenersehen, daß Du guter Laune bist. Mit mir geht es soziemlich. Mein Kops gesundet allmählich, und ich tuealles, was dazu förderlich ist. Ich habe mir eine Garten-wohnung gemietet, gehe des Abends zwischen Rosen-büschcn spazieren, und werde morgens V4 auf 6 vonden Nachtigallen aus dem Schlafe geweckt. Es ist dochbesser, daß dieses durch Nachtigallen, als durch klopfendeStiefelputzer geschieht. Dann arbeite ich so angestrengtals möglich Jurisprudenz, Geschichte und den Rabbi usw.Letzterer schreitet nur langsam vorwärts, jede Zeile wirdabgekämpft, doch drängt's mich unverdrossen weiter,indem ich das Bewußtsein in mir trage, daß nur i chdieses Buch schreiben kann, und daß das Schreiben des-selben eine nützliche, gottgefällige Handlung ist. Dochich breche hiervon ab, indem dieses Thema mich leichtdazu bringen kann, von der eigenen Seelengröße selbst-bespiegelnd zu renommieren. —
Ende dieses Jahres denke ich den „Rabbi" fertig zuhaben. Es wird ein Buch sein, das von den Zunzenaller Jahrhunderte als Q u e l l e genannt werden wird.— Nochmals wiederhole ich Dir, daß Du aus die Lek-türe meiner „Harzreise" nicht begierig zu sein brauchst.Ich schrieb sie aus pekuniären und ähnlichen Gründen.Vielleicht amüsiert Dich der Nekrolog Saul Aschers,den Du darin finden wirst. Ich schreibe nächstens nachKarlsruhe, daß man für meine Rechnung mehrere Erem-
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