81. An Rudolf Christiani.
Göttingen, den SK. Mai tkLS.
Wenn es in der ganzen Christenheit irgend einenMenschen gibt, der Ursache hat mit mir unzufrieden zusein, so ist es der Doktor Christiani in Lüneburg. Waswollen Sie mehr als dieses offne Geständnis? Nunschlagen Sie in der Carolina nach und bestimmen Siemeine Strafe. Doch diese wird nicht allzu hart aus-fallen. Denn erstens weiß ich, daß ich bei Ihnen nochin großer Gunst stehe, zweitens wissen Sie, oder bessergesagt, Ihr Selbstbewußtsein sagt Ihnen, daß ich oftgenug an Sie denken muß, daß Briefschreiben überhauptso eine ganz eigene Sache ist, und daß oft Halbfreundeoder sogar Scheinfreunde sich täglich schreiben und wahreFreunde nur selten, manchmal sogar nie. Uber letzteresließe sich wohl eine große, höchst schmerzliche Dissertationschreiben.
Aber dieses alles will ich nicht zur Entschuldigunggebrauchen, sondern bloß einen physischen Zustand unddessen Einwirkung aus meine Gemütsstimmung. Ichwar nämlich den ganzen Winter krank, und jetzt leideich an allmählicher Genesung.
Den vorigen Sommer sah es auch nicht sehr glän-zend mit meiner Gesundheit aus und obendrein lag aufmir die Zentnerlast der Pandekten. Meine Erholungwaren kalte Bäder, Chronikenstudium, Skandäler,Shakespeare, Ulrichs Garten, sowie auch einige eigenePfuschereien im Gebiet der Literatur. Letzteres waraber sehr unbedeutend, Ausarbeitung einer Memoiren-
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