Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
219
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tor sitzt und ein Freund jenes Heine ist, der JüdenstraßeNr. 21 im Hugoschen Kollegium schmachtet. Wenn ichsage, daß ich kein Esel und kein Genie bin, so will ichnicht damit renommieren. Wäre ich ersteres, so wäreich längst befördert, z. B. zum Professor extrsorcki-narius in Bonn. Und was das Genie betrifft achGott, ich habe die Entdeckung gemacht: alle Leute inDeutschland sind Genies, und ich, just ich, bin dereinzige, der kein Genie ist. Ich scherze nicht, es istErnst. Was die ordinärsten Menschen zu fassen ver-mögen, wird mir schwer. Ich bewundre, wie die Men-schen das Halbbegriffene, das aus dem Zusammenhangdes Wissens Gerissene, im Kopf behalten und mit treu-herziger Miene in ihren Büchern oder von ihren Kathe-dern herab wiedererzählen können. Wer dieses kann,den halte ich für ein Genie. Indessen, wegen derRarität wird jenen Menschen, die es nicht können, derName eines Genies beigelegt. Das ist die große Ironie.Das ist auch der letzte Grund, warum ich mich mit meinerJurisprudenz zu Tode quäle, warum ich noch nichtdamit fertig bin und erst zu Ostern fertig werde.

Mit der Genialität in der Poesie ist es auch soeine ganz zweideutige Sache. Das Talent ist mehrwert. Zu jeder Vollbringung gehört das Talent. Umein poetisches Genie zu sein, muß man erst das Talentdazu haben. Das ist der letzte Grund der GoetheschenGröße. Das ist der letzte Grund, warum so viel Poetenzugrunde gehen; z. B. ich!

Wie oben bemerkt ist, ich arbeite angestrengt anmeinem jus, lebe übrigens ganz einsiedlerisch. Binnicht geliebt hier, und weiß noch nicht, ob es ratsam ist,

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