Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
211
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Fast möcht ich selbst böse werden, daß Du nicht zwei,drei Briefe hintereinander geschickt hast, worin Du Dichbitterböse über mein Stillschweigen beklagst. Ich binSelbstquäler genug, mir einzureden, Du seist nicht hin-länglich wegen meiner besorgt. Dem einzigen Freundeso lange nicht zu schreiben! Dem Menschen, der dastun konnte, muß es sehr weh ums Herz gewesen sein;und in der Tat, das war der Fall. Du warst mir zulieb, als daß ich Dir diesen Sommer die Gistdünstemeines Unmuts brieflich mitteilen sollte, und ich warmir selbst zu lieb, als daß ich meine Schmerzen dadurcherhöhte, daß ich sie aussprach. Ich habe einen tristenSommer verbracht, Jurisprudenz und Kopfschmerzen.Meine einzige Zerstreuung waren schlechte Studenten-späße, Duelle und einige Prozesse, die ich führte undverlor. Seit ich Jurist bin, werde ich noch mehr geprellt,als sonst. Ich habe mich mit dem jus wie ein Ver-zweifelnder abgequält, und doch mag Gott wissen, obich was los habe. Wenn Meister das diesmalige De-kanat ausschlägt, so bin ich ein verlorener Mann! Dennalsdann wird Hugo, der Freund meiner bittersten Feinde,Dekan. Du mußt wissen, ich habe mich hier auch schonhinlänglich verfeindet. Das liegt in der Natur derSache.

Blutwenig habe ich diesen Sommer geschrieben.Ein paar Bogen an den Memoiren. Verse gar keine.AmRabbi" wenig, so daß kaum ein Drittel davon ge-schrieben ist. Er wird aber sehr groß, wohl ein dickerBand, und mit unsäglicher Liebe trage ich das ganze Werkin der Brust. Ist es ja doch ganz aus der Liebe hervor-gehend, nicht aus eitel Ruhmgier. Im Gegenteil, wenn