Sommer viel los zu bekommen — ich denke, wir sind jadoch mal im Goles. — Ich werde Dir wenig zu schreibenhaben diesen Sommer; bei Dir hingegen passiert alleTage etwas, das mich interessiert, und Du mußt vielschreiben. — Heute will ich Dir mal etwas Liebes er-weisen, indem ich Dir einen Auftrag gebe, dessen Ver-richtung unter Brüdern tausend Taler wert ist. Dusollst nämlich der schönen Madame Robert einliegendesSonett in meinem Namen zustellen. Laß es niemandenvorher sehen. Es ist nicht viel wert, aber ich hatte ver-sprochen, der schönen Frau ein Gedicht zu machen, undfür ein solches aufgegebenes Gelegenheitsgedicht, wo dieConvenienz (die Macht der Verhältnisse) den wirklichenErnst teils heischte, teils verbot, dafür ist das Gedichtnoch immer gut genug, und es wird der schönen Frau ge-fallen und sie erfreuen und könnte dem Überbringer,wenn er nicht zu blöde wäre, ein zärtliches Trinkgeldeintragen. Etwas wenigstens wirst Du bekommen, viel-leicht ein ertraordinäres Lächeln. —
Halte mich lieb und sei überzeugt, daß ich nie auf-höre, zu sein
Dein Freund
H. Heine.
69. An Rudolf Ehristiani.
Göttingen, den 24. Mai t8S4.
Wenn man gar zu viel zu schreiben hat, so schreibtman gar nicht, das ist allgemein gebräuchlich, und meinlanges Stillschweigen bedarf also keiner besonderen Ent-schuldigung. — Eigentlich wollte ich heute auch noch nicht