KS. An Varnhagen von Ense.
Berlin, den 11. April 1824.
Als ich voriges Jahr mit Ihnen in Hamburg zu-sammentraf, war mir's wohl fühlbar, daß in IhremBenehmen gegen mich etwas Verletzendes lag, aber ichwar damals sehr gemütsbeschäftigt und ließ alles traum-haft an mir vorübergehen, und konnte erst spater, alsich ruhiger und wachender wurde, zum klaren Bewußt-sein gelangen: daß Sie sich mir wirklich auf eine be-leidigende Weise gezeigt und dieses sich sogar in einemFaktum ausgesprochen. Letzteres bestand darin, daß Siees unumwunden eine Unwahrheit nannten, als ich Ihnendie Versicherung gab: daß ich bei Fouqus um die be-sondere Erlaubnis angefragt, sein mir gewidmetes Ge-dicht meinen Freunden mitteilen zu dürfen. Es ist über-flüssig hier zu sagen, wie viele trübe Stunden mir diesesverursacht und wie sogar die Erinnerung an all das sehrviele Liebe und Gütige, das Sie mir früher erwiesen,dadurch getrübt werden mußte. Noch überflüssiger istes zu sagen, daß ich es nicht geeignet fand, in dieserSache mit den gewöhnlichen Hansnarren-Formalitäten,die unserm beiderseitigen Charakter und Verhältnis sounangemessen sind, zu verfahren, und daß ich es vor-zog, der großen Mittlerin Zeit alles zu überlassen. Diesewird bereits etwas getan, und Sie, wenn Sie bei-liegendes Blatt gelesen, zur Einsicht eines großen Un-rechtes gebracht haben. — Obiges ist auch die Ursache,warum ich Ihnen nicht früher geschrieben und warumich mich jetzt nicht mehr mit der alten ZutraulichkeitIhnen erschließen kann. Dennoch können Sie versichert
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