Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

zugekommen, und das Kreditiv mir richtig ausbezahl,geworden. Du mußt dieses, wie sich versteht, gleich ^tun, und kannst sagen, daß ich eine Reise mache, unddeshalb erst später schreiben würde. Auch dieses vergißbeileibe nicht, denn Onkel Henry erzeigt mir sehr viel -Liebes und Gutes, und ich bin ihm viel Dank schuldigVon Lüneburg habe ich gestern Brief erhalten, und !gehört, daß Therese Heine an den Pocken krank gelegen,und wiederhergestellt sei. Sag mir doch, hat sie viel -gelitten? Das täte mir sehr leid. Bringe dem liebe»Mädchen, sowie auch den Übrigen meinen freundlichste»Gruß.

Mit meiner Gesundheit kann ich noch nicht prahlen,aber es geht schon. Mit Lüneburg stehe ich in starkerKorrespondenz, und schreibe sehr oft, Du weißt, das .macht Vater und Mutter Freude, und dem lieben Vater zdoppelt, da er die Briefe selbst holt. An Dich liebessüßes Weibchen denke ich beständig, und möchte Dichwohl sehen in Deiner jetzigen Rundung. Es regt sich ^schon in mir die Ahnung »heimlicher Gefühle, und ichbin gespannt, ob ich einen Neffen oder eine Neffin be-komme. O, wie wird Moritz vergnügt sein, wenn erdas erste Kindergeschrei hört! - Wie wird's bei Marmnach Kuchen riechen! Alles wird sich freuen und in Be-wegung sein, und Tante Jette wird im ersten Augen-blick nicht wissen, ob sie Tante oder eigentlich Großtantegeworden ist.

Aber damit dieses alles geschehe, schone Dichliebes Kind und behalte lieb

Deinen Bruder

H. Heine.

188