Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
185
Einzelbild herunterladen
 

Schlimmes in mir steckt und bei dem mindesten Anreizzur Erscheinung kömmt? Sage es noch an niemand,daß ich nach Berlin komme; denn ich habe wichtigeGründe, zu wünschen, daß man meine dortige Anwesen-heit in Hamburg nicht früher erfahre, bis ich dort binoder war. Außerdem will ich die ersten Tage meinesDortseins nicht mit Besuchen verbringen. Du wirstsehen, wie es mit meinem armen Kopfe aussieht, wieich besorgt sein muß, ihn vor allen Anreizungen zu be-wahren. Ich bitte Dich schon im voraus, laß mich,wenn wir zusammenkommen, kein Hegelsches Worthören, nimm Stunden bei Auerbach, damit Du mirrecht viel mattes und wäßrichtes sagen kannst, laß Dirdünken, ich sei ein Schafskopf wie Cajus und Titius usw.Verlange überhaupt keine Kraftüußerung von mir, wieDu in Deinem Briefe verlangst; mag es mit meinerPoesie aus sein oder nicht, und mögen unsere ästhetischenLeute in Berlin von mir sagen, was sie wollenwas geht das uns an? Ich weiß nicht, ob man recht hat,mich als erloschenes Licht zu betrachten, ich weiß nur,daß ich nichts schreiben will, solange meine Kopf-nerven mir Schmerzen machen, ich fühle mehr als je denGott in mir, und mehr als je die Verachtung gegen dengroßen Haufcw aber früh oder spät muß ja dieFlamme des Geistes im Menschen erlöschen; von längererDauer vielleicht von ewiger Dauer ist jeneFlamme, die als Liebe (die Freundschaft ist ein Funkederselben) diesen morschen Leib durchströmt. Ja, Moser,wenn diese Flamme erlöschen wollte, dürftest Du ängst-lich werden. Noch hat's keine Gefahr; ich fühle ihrenBrand.

185