volles Leben in das Uneigennützigste, in die Idee über-geht. Es liegt mir viel, sehr viel an der Anerkennungder Masse, und doch gibt's niemand, der wie ich denVolksbeifall verachtet und seine Persönlichkeit vor denÄußerungen desselben verbirgt.
Mein Versprechen in betreff der „Rheinblüten"hatte ich durchaus nicht vergessen. Nun ist es mir lieb,daß Sie ein Gedicht, das Sie durch Mosern zu Gesichtbekommen, für die „Rheinblüten" zu haben wünschen.Ich bestimme es daher für dieselben und wünsche, daßes mit der bloßen Chiffre — e. (— e.) unterzeichnetund „Die Tochter des Alkaden" überschrieben werde.Vielleicht muß ich noch etwas daran feilen, da ich esrasch schrieb und fortschickte, ohne es zu überlesen. Esmar mir lieb, daß es Ihnen nicht mißfiel, da ich amWerte desselben zweifelte. Das Gedicht drückt nämlichnicht gut aus, was ich eigentlich sagen wollte, und sagtvielleicht gar etwas anders. Es sollte wahrlich keinLachen erregen, noch viel weniger eine mokante Tendenzzeigen. Etwas, das ein individuell Geschehenes undzugleich ein Allgemeines, ein Weltgeschichtliches ist, unddas sich klar in mir abspiegelte, wollte ich einfach, ab-sichtlos und episch-parteilos zurückgeben im Gedichte;— und das Ganze hatte ich ernst-wehmütig, und nichtlachend, aufgefaßt, und es sollte sogar das erste Stückeiner tragischen Trilogie sein. Ich spreche schon zu vielüber dieses kleine Gedicht; aber es geht mir immer wieIhrer Schwester, der Varnhagen, die muß auch, wie siemir sagte, große Briefe schreiben, wenn sie etwas sagenwill. Grüßen Sie mir vielmal die liebe, gute, kleineFrau mit der großen Seele. Sagen Sie ihr, daß es ein
143