Aber es gibt nichts Neues zu hören, lieber Robert,außer daß ich noch lebe und Sie liebe. Letzteres wirdebenso lange dauern als das erstere, dessen Dauer sehrunbestimmt ist. Uber das Leben hinaus verspreche ichnichts. Mit dem letzten Odemzuge ist alles vorbei,Freude, Liebe, Arger, Lyrik, Makkaroni, Normaltheater,Linden, Himbeerbonbons, Macht der Verhältnisse, Klat-schen, Hundcgebell, Champagner — und von dem mäch-tigen Talbot, der die Theater Deutschlands mit seinemRuhm erfüllte, bleibt nichts übrig, als eine Hand vollleichter Makulatur. Die aeierna nox des Käseladensverschlingt die Tochter Jephtas mitsamt dem ausgepfiffe-nen „Almansor". Es ist wahrlich eine düstere Stimmung,in der ich seit zwei Monaten hinbrüte; ich sehe nichtsals offene Gräber, Dummköpfe und wandelnde Rechen-erempel. Selten fällt mir ein Sonnenstrahl ins Herz,ein Sonnenstrahl, wie der freundliche Gruß der schönenSchwäbin, den mir Moser gütigst zukommen ließ, undwie die Nachricht, daß auch Ludwig Robert meiner nichtvergessen hat. Ich habe demselben noch nachträglich zudanken für die wohlwollenden Äußerungen im Morgen-blatte. Diese waren mir doppelt lieb, da ich darausersah, daß ich mich nicht in Ihnen geirrt habe, und daßSie nicht kleinlich find wie die übrigen. Nicht klein-lich sein, das ist etwas, das mir mehr gefällt, als alldie andern Seeleneigenschasten, die von unseren Moral-kompendien so viel gepriesen werden. Glauben Sicaber auch nicht, daß ich es sei, wenn ich es auch zuweilenscheinen mag. Vielleicht erleben Sie es noch, meine Be-kenntnisse zu lesen, und zu sehen, wie ich meine Zeit-genossen betrachtet, und wie mein ganzes trübes, drang-
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